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Frauen in Auto-Berufen: Anna und Josi lieben eben Autos

Foto: carmour

Allen Vorurteilen zum Trotz – auf allen Ebenen des Berufslebens setzen sich Frauen heute durch, auch im technischen Bereich. Anna und Josi haben ihre berufliche Passion gefunden. Es sind Autos.

Zwei junge Frauen, eine Leidenschaft: Anna und Josi beschäftigen sich am liebsten mit Autos. Und das nicht nur privat. Beim VW-Autohaus Faust in Coswig (Sachsen) haben die beiden ihre perfekten Lehrstellen gefunden.

Kreativ mit Autos

„Irgendwann stellte ich fest, dass ich beruflich was Kreatives mit Autos machen wollte“, erzählt Josi. Die 23-jährige hatte zuvor Fachinformatik gelernt, stellte dann aber schnell fest, dass dieser Beruf sie langweilt.

Lehramt langweilig

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Ähnlich ist es auch bei Anna: „Ich habe auf Lehramt studiert, merkte aber auch bald, dass dieses Studium viel zu trocken für mich war.“ Wie ihre Kollegin Josi arbeitet Anna lieber handwerklich und beschloss deshalb, sich beruflich umzuorientieren, bevor es zu spät war.

Frauen in der Werkstatt erwünscht

Anna lernt nun den Beruf des Autolackierers und Josi Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikerin. Auf die Frage, ob sie ihre Traumlehrstellen ohne Probleme bekommen hätten, schütteln beide den Kopf. „Ich habe mich zig mal beworben und wurde nicht einmal zum Vorstellungsgespräch eingeladen“, bekennt Anna. Bei Josi sah es ähnlich aus. Beide Mädels sind sich sicher, dass viele Autohauschefs immer noch das Vorurteil pflegen, ein technischer Beruf sei nichts für Frauen.

Kunden finden´s klasse

Das sehen die Inhaber der Faust Group zum Glück anders. Das Ehepaar Faust nennt vier VW-Autohäuser in Sachen ihr Eigen. „Wir haben mit Frauen in der Werkstatt nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt Chefin Franka Faust, die überhaupt nicht verstehen kann, wieso Frauen in so genannten Männerberufen für viele Leute immer noch Exoten sind. Sie fügt hinzu: Unsere Kunden finden es klasse, dass bei uns so viele Frauen arbeiten.“ Alleine bei Faust in Coswig arbeiten neben den Azubis Anna und Josi noch fünf weitere Frauen in der Autowerkstatt.

Allein unter Männern

Allerdings ist Anna die einzige Frau in der Karosseriewerkstatt. „Am Anfang war es natürlich ganz schön hart, mich gegen diese 13-köpfige Männerwirtschaft zu behaupten“, erzählt die zierliche Blondine lächelnd. Aber sie hat es geschafft. Das liegt wohl auch daran, dass sie sich für keine Arbeit zu fein ist und großmütig über Machosprüche und den obligatorischen Werkstattkalender mit leicht bekleideten Schönheiten hinwegsieht.

Kein Problem in der Schule

Auch in ihrer Berufsschulklasse wird sie hin und wieder noch belächelt. „Aber das wird immer weniger“, sagt Anna. „Die Jungs haben schon längst geschnallt, dass ich mindestens genauso viel auf dem Kasten habe wie sie.“Die Probleme hat Josi in der Autolackierei nicht. Hier arbeiten insgesamt fünf Frauen. Zudem ist das gesamte Team recht jung.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

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Sowohl Josi als auch Anna gefällt es an ihrem Arbeitsplatz. Trotzdem merken beide, dass der Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ immer noch seine Gültigkeit hat. „Freitag und Montag ist Aufräumdienst“, erzählt Josi und gibt offen zu, dass es für sie spannendere Tätigkeiten gibt, als Spritzpistolen sauberzumachen und die Halle zu fegen. „Aber da muss ich eben durch.“

Am liebsten Kundenkontakt

Anna sieht das ähnlich. Am Anfang stand das An- und Abbauen von Stoßstangen bei ihr im Vordergrund. Mittlerweile führt sie kleinere Reparaturen selbständig durch. Am liebsten liefert sie Autos aus oder holt sie von Kunden ab. Das macht richtig Spaß, denn näher heran an den Kunden komme ich sonst nirgends.“

Vielleicht gleich Meisterin

Freundinnen und Freunde haben Josi und Anna gefragt, ob sie das Autohaus Faust als Arbeitgeber empfehlen würden. Diese Fragen beantworten die beiden Autospezialistinnen in spé mit einem ganz eindeutigen „Ja“. „Wir bilden für die Firma aus und nicht für andere“, hat Franka Faust am Anfang der Lehre zu Josi gesagt. Die fand dieses Statement richtig gut. Nach der Lehre möchte die Auszubildende am liebsten gleich ihren Meister dranhängen. „Vielleicht geht das ja sogar hier bei Faust“, hofft sie.

Oldtimer restaurieren

Auch Anna lässt nichts auf ihren Ausbildungsbetrieb kommen und ist froh, einen so modern eingestellten Arbeitgeber zu haben. Sie meint: „Hier bekomme ich einen guten Grundstein für mein weiteres Leben. Im Gegensatz zu Josi, die gerne nach der Lehre im Autohaus weiterarbeiten möchte, strebt Anna eine Ausbildung zur Restauratorin von Oldtimern an.

Schrauben auch in der Freizeit

Auch in ihrer Freizeit und am Wochenende können die beiden Mädels ihre Finger nicht von Autos lassen. Josi schraubt dann mit Vorliebe an ihrem alten Mazda 323 aus dem Jahre 1986 herum. Oder sie geht zu den BMW-Treffen ihrer Freundesclique.

Wolfskopf auf der Haube

Da sie keinen eigenen BMW hat, fährt sie gerne in den getunten Wagen ihrer Kumpels mit. Am liebsten hätte sie einmal freie Hand bei der Lackierung eines Wagens. „Den würde ich in dunkelblau oder lindgrün metallic spritzen“, erzählt die begeisterte Airbrusherin. „Als Verzierung würde ich noch einen Wolfskopf, der den Vollmond anjault, auf der Kühlerhaube applizieren.”

Original-VW-Bulli

In Annas Freizeit geht es etwas gediegener zu. Dann restauriert sie alte Autos. Zurzeit hat sie einen originalen 83iger VW-Bulli T3 in Arbeit. „Der hat noch alle Originalteile“, schwärmt die angehende Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikerin, die nach eigenem Bekunden am liebsten Dellen aus den Karossen herausoperiert. Wenn sie von den VW T3 erzählt, kommt die sonst so ruhige Anna richtig ins Schwärmen: „Das ist einfach nur ein obercooles Auto. Auch die Optik ist klasse: Grau mit Leopardenmuster gestreift.“

Heavy Metal

Fragt man beide Mädels nach ihrem Musikgeschmack, dann sind wir schon wieder bei Metallverarbeitung: Bei den beiden bekennenden Heavy- Metal-Fans herrscht auch hier Einigkeit: „Es muss krachen und richtig schön laut sein!“

 

 

Quelle: carmour