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Saudi Arabien – Frauen machen gegen Fahrverbot mobil

Foto: Getty Images

Das ölreiche Königreich verbietet seinen weiblichen Bewohnern vieles – sogar das Autofahren. Dabei steht das in keinem Gesetz und auch nicht im Koran. Dennoch stehen dahinter die Religion und die Angst vor Emanzipation.

Kaum zu glauben, aber wahr: Saudi-Arabien ist weltweit der einzige Staat, in dem Frauen kein Auto fahren dürfen. Tun sie es doch, werden sie in der Regel aus dem Wagen gezerrt und nicht selten verprügelt. Doch mutige Aktivistinnen machten jetzt zum zweiten Mal seit 2011 gegen das Verbot mobil.

Beweisvideos im Netz

Sie hatten die Frauen im ganzen Land über Internet dazu aufgerufen, sich demonstrativ hinters Steuer zu setzen und sich dabei zu filmen. In den Tagen darauf veröffentlichten viele Fahrerinnen solche Beweisvideos in sozialen Netzwerken wie etwa YouTube oder Facebook.

No Woman, No Drive – sarkastische Reaktionen

Das archaische Weltbild der saudischen Fundis hat eine Menge bitteren Spott im Netz ausgelöst. Die gelungenste Persiflage auf die wüsten Zustände im Wüsten-Ölreich liefert aber ein arabischer Barde. Sein Song “No Woman, No Drive”, natürlich abgeleitet von “No Woman, No Cry” bringt die Dinge umwerfend komisch auf den Punkt. Sehen Sie selbst:

http://youtu.be/odgo0-aAvXA

Kein Führerschein

Ein Verstoß gegen ein Gesetz ist die Aktion der tapferen Aktivistinnen offiziell nicht. Denn die Verfassung verbietet den Frauen das Fahren nicht ausdrücklich. Doch nach den Gesetzen des Königsreichs müssen Fahrer einen saudiarabischen Führerschein vorweisen. Dieser wird grundsätzlich nicht an Frauen ausgegeben, so dass sie faktisch nicht ans Steuer dürfen.

Sittenverfall durch Autofahren

Zudem behaupten saudische Imame, Frauen würden durch das Autofahren unfruchtbar und der Sittenverfall würde voranschreiten, wenn sie sich frei durch den Verkehr bewegen könnten – in Saudi-Arabien ist eine besonders strenge Variante des Islam, der Wahabismus, Staatsreligion.

Prinz denkt über Frauenrechte nach

Trotzdem hatte bereits im Frühjahr der mächtige saudiarabische Prinz Al Walid bin Talal, Neffe des Königs, aus wirtschaftlichen Gründen erwogen, Frauen das Recht zum Autofahren einzuräumen. Dann könnten mindestens 500 000 ausländische Chauffeure eingespart werden, erklärte der Milliardär und Neffe von König Abdullah über Twitter. Viele Familien argumentierten, wenn die Frauen selbst fahren dürften, würde ihr verfügbares Einkommen steigen.

Unruhe in der Gesellschaft

Das Innenministerium hatte auch diesmal im Vorfeld gewarnt, dass jegliche Verstöße gegen das Frauenfahrverbot ebenso geahndet würden wie eine Unterstützung des Protests. Man werde gegen alles vorgehen, was zur Unruhe in der Gesellschaft führen würde. Auch der männliche Vormund einer Frau müsse mit Strafen rechnen und jeder andere Mann, der einer Frau sein Auto überlässt.

Pkw-Maut für Frauen bei uns?

Mit unseren westlichen Wertvorstellungen von Freiheit und Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern haben die Scheichs, die mit ihrem Öl für unsere Staus sorgen, nichts am Hut. Aber vielleicht könnte es eine Annäherung der Systeme geben: Die Saudis lassen ihre Frauen ans Steuer und wir führen im Gegenzug die Pkw-Maut für Frauen ein. Lesen Sie unseren nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag hier.

 

 

 

Quelle: carmour