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Rennfahrerinnen dringend gesucht

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Anders als in den USA behandelt die Motorsportszene bei uns Frauen immer noch stiefmütterlich und vergibt damit Marktchancen.

„Frauen im Motorsport stehen in Hot Pants und High Heels in der Startaufstellung, halten ein Schild am Stil hoch und lächeln mit leerem Gesicht in die Kamera.“ Das ist die Realität in fast allen Rennsportserien, und die das sagt, ist selber eine Frau und will nicht namentlich genannt werden, denn sie arbeitet seit Jahren erfolgreich in einem großen Motorsport-Team – und das ist in der ohnehin männlich geprägten Autobranche die Männer-Domäne schlechthin.

Hinter den Kulissen der Rennszene arbeiten viele Frauen

Seit den Tagen einer Bertha Benz hat sich eine Menge getan im Verhältnis von Frauen und Autos. Es gibt sie natürlich, die aufgetakelten Grid Girls, auf die in Wahrheit weder Sponsoren noch Zuschauer verzichten möchten, so wenig wie auf die Cheerleaders im Stadion. Doch spielen Frauen im Motorsport noch viel mehr Rollen als nur schmückende. Sie agieren hinter den Kulissen als Mechanikerin, Ingenieurin oder Designerin, organisieren die Hospitality und den Service. Viele Fahrer-Manager oder Pressesprecher sind Frauen. Es gibt immerhin eine anerkannte Formel-1-Teamchefin: Monisha Kaltenborn bei Sauber. Und selber fahren können die Damen auch. Das ist den Marketing-Managern der Autofirmen am liebsten, immerhin verkauft die Industrie ein Drittel der Neuwagen an Frauen. Und die gucken bei der höchst attraktiven Marketing-Leistungsschau Autorennsport mehrheitlich gelangweilt weg.

Weniger Nachwuchs bei den Rennfahrerinnen

Tatsächlich ist die Auswahl an weiblichen Talenten deutlich bescheidener als bei den männlichen Kontrahenten. Das liegt zum einen am gesellschaftlichen Rollendenken. Welcher Vater setzt schon lieber seine Tochter als seinen Sohn im Kleinkind-Alter aufs Kart. Mädchen gehen zum Reiten, Jungs auf die Kartbahn. Trotzdem wollen die rennfahrenden Autohersteller auch das weibliche Publikum erreichen. Deshalb gibt es immer wieder Anläufe, attraktive Frauen in attraktive Rennautos zu bekommen, zum Beispiel beim Ford Fiesta Ladies Cup in den früher 80er Jahren. Drei der schnellen jungen Damen schafften danach den Sprung in die DTM. Dort gewann mit Ellen Lohr sogar eine Frau 1992 ein Rennen. Sie war übrigens den traditionellen Weg über den Kartsport gegangen.

Nur wenige Erfolge bei ganz großen Events

In der jetzigen Deutschen Tourenwagen Masters setzten sowohl Audi als auch Mercedes drei Jahre lang talentierte Fahrerinnen in meist pinkfarbene Autos – indes mit mäßigen Erfolgen. Dieses Jahr fahren wieder nur Männer DTM. Im Rallye-Sport gewann Michèle Mouton WM-Läufe und machte den Audi Quattro populärer als alle ihre männlichen Teamkollegen zusammen. Aufmerksamkeit über Fachkreise hinaus, gar Popularität errang auch Jutta Kleinschmidt, die die Rallye Dakar gewann. Und in Le Mans traten über die Jahrzehnte 54 Frauen zum berühmtesten Langstreckenrennen der Welt an. Das beste Ergebnis war allerdings ein vierter Platz, im Jahre 1932.

Die Formel 1 braucht eine siegreiche Fahrerin

Und in der ersten Liga, in der Formel 1? Fünf Frauen versuchten sich zwischen 1959 und 1992, zwei schafften es ins Rennen, eine holte einen halben WM-Punkt. Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone sind Frauen als Rennfahrerinnen offenbar egal. Bezüglich Vermarktung der Serie formulierte er zwar einmal in den 80er Jahren ganz ernsthaft: „Unser Sport braucht einen Schwarzen und einen schnellen Deutschen.“ Beides hat er weltmeisterlich bekommen, zunächst in Michael Schumacher, dann in Lewis Hamilton. Dass aber durch erfolgreiche Frauen ein enormes neues Zuschauerpotenzial zu gewinnen wäre, hat er noch nicht entdeckt.

In den USA ist Tourenwagen-Sport im TV die Nummer 2

In den USA jedenfalls funktioniert die Sog-Kraft erfolgreich fahrender Frauen inzwischen. Es lohnt sich hinzuschauen und zu lernen. Denn in den Staaten ist Sport nur dann kommerziell so richtig erfolgreich, wenn er im ganzen Land zur besten Sendezeit im TV übertragen wird. Und wenn er Männer, Frauen und Kinder erreicht. Der US Motorsport hat durch Publikumsnähe und Umgänglichkeit der Teams und Fahrer schon seit 1949 immer wieder Einsätze konkurrenzfähiger Fahrerinnen in Indianapolis und später auch in der Nascar-Tourenwagen-Serie geschafft. Mit dem Ergebnis, dass der Frauenanteil an den Fernsehschirmen ebenso wie an den Rennstrecken erheblich größer geworden ist als in Europa. Zur Rennstrecke fährt oft die ganze Familie mit dem Wohnmobil und verbringt dort ein langes Wochenende. So ist es in den USA auch leichter möglich, Sponsoren zu finden, mit denen sich wiederum ein breites Publikum identifiziert. Auf den Rennautos wird für Fast-Food-Ketten, Schokoriegel, Kekse, Waschmittel, Baumärkte, Versicherungen oder Banken ebenso geworben wie für Motoröl, Batterien oder Auto-Ersatzteile.

Hollywood und ein weiblicher Superstar am Steuer

So hat es der US-Motorsport mit seiner populärsten und härtesten Klasse Nascar Sprint Cup in die Wohnzimmer und auf das Zweit-TV in der Küche geschafft und ist Quoten-Nummer zwei hinter American Football geworden. Und Hollywood hat einen äußerst erfolgreichen Film über die Serie gedreht: Tage des Donners, mit Tom Cruise am Steuer. Zum Erfolg von Nascar trägt mittlerweile

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auch kräftig eine Frau bei: Sie heißt Danica Patrick und ist der erste weibliche Superstar. 31 Jahre alt, 1,60 Meter klein und 50 Kilo zart. Aber sie hat Temperament und Talent. Beim Saison-Auftakt 2013, dem Daytona 500, stellte sie ihren grünen Chevy mit der Startnummer 7 und dem Hauptsponsor „Go Daddy“, einem Webhoster, auf den besten Startplatz. Der Trainings-Zweite und vierfache Champion Jeff Gordon kommentierte sarkastisch: „Na ja, wenigstens bin ich der schnellste Kerl hier.“

Einfach mal was abgucken bei den Amis

Die schnellsten Kerle in der Formel 1 müssen sich vorerst keine Sorgen machen. Danica Patrick hatte zwar Angebote für F1-Testfahrten, winkte aber dankend ab. So müssen wir in Europa weiter auf den Wandel warten. Vielleicht mal von der Ami-Kultur abgucken? Hinwendung zum Publikum, Öffnung der Gittertore, Unterhaltung auch für Familien und Frauen. Wächst deren Interesse, werden sich auch Talente entfalten. Das wäre gut für den Motorsport und ein Segen für die Autoindustrie. Die sehnt nämlich einen weiblichen Rennsportstar herbei.

 

 

 

Quelle: carmour

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