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Wenn Hersteller sich zum Gespött machen

Foto: Getty Images/carmour

Wie soll das Kind nun heißen? Diese Frage stellen sich nicht nur werdende Eltern, sondern auch die Marketing-Abteilungen der Autohersteller. Aber ob Mazda Laputa, Mitsubishi Pajero oder Nissan Moco – manch ein Hersteller hat sich bei der Namenswahl schon fatal vertan.

Nomen est Omen

Ähnlich wie bei der Wahl von  Babynamen  sollte den Erfindern eigentlich klar sein, dass die Namenswahl psychologische Wirkung entfalten kann. Studien in den USA haben den Einfluss des Namens auf innere Zufriedenheit, Gesundheit und beruflichen Erfolg untersucht. Das Ergebnis überrascht: Die Forscher erkannten signifikante Zusammenhänge zwischen Namen und Persönlichkeitsstruktur und stellten vor allem negative Auswirkungen bei mangelnder Identifikation mit einem Geburtsnamen fest: Nomen est Omen. Natürlich klingen Namen wie „Mara“ für ein Mädchen unseres europäischen Kulturkreises feminin, exotisch und zugleich sehr kraftvoll. Aber ist den Eltern klar, dass ihr Kind sein Leben lang den Namen der buddhistischen Macht des Bösen, will sagen des Teufels mit sich herumträgt?

Odysseus wurde der treue Begleiter

Bei Autonamen ist das nicht anders. Auch die haben manchmal eine Magie, der man sich nicht entziehen kann. Als leidenschaftlicher Fan von italienischen Automarken kam ich nach der schnell aufeinanderfolgenden Geburt von drei Kindern und häufiger Mitnahme weiterer Familienmitglieder nicht umhin, über den Kauf eines Vans nachzudenken. Ästhetisch haben mich sowohl der Lancia als auch der Fiat angesprochen. Ausschlaggebend für den Kauf war dann aber der Name. Der Fiat mit dem klangvollen Namen „Ulysse“ machte das Rennen. Wir nennen ihn  übrigens nur noch „Das Blaue Wunder“. Im Moment der Kaufentscheidung wurde mir klar, dass ich bis dato selber immer schon ein weiblicher Odysseus war. Plötzlich hatte ich das Gefühl, in meinem blauen Ulysse einen hoffentlich treuen Kameraden und Mitstreiter, ja Seelenverwandten bei meinen Wegen und Eskapaden auf der Suche nach dem wahren und echten Leben zu bekommen. Zu beschreiben, wie weit Ulysse und ich dabei gekommen sind, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Aber soviel nur zur Begründung, warum ich angefangen habe, über Autonamen nachzudenken.

Hier ging es gründlich schief

Bereits vor Ulysses Eintreten in mein Leben bin ich viel gereist und der Wunsch nach Verständigung führte nebenbei auch zur Aneignung von Sprachkenntnissen außerhalb der gesellschaftsfähigen Semantik. So habe ich mich bereits vor 20 Jahren gefragt, warum Mitsubishi eines seiner erfolgreichsten Modelle als „Wichser“  - im Spanischen „Pajero“ – bezeichnet. Rückschlüsse auf den sexuellen Notstand der Namensgeber sind da zwingend. Zwei weitere japanische Hersteller verhedderten sich schon im wohlklingenden spanischen Idiom, Mazda sogar mit eindeutig sexistischen Resultat: „Mazda Laputa“ – für alle Hispanos Mazda, die Hure… Da ist der Fehlgriff von Nissan bei seinem Kleinwagen „Moco“ vergleichsweise harmlos verlaufen. Moco heißt für Hispanos schlicht Popel.

Opel Adam oder Äddäm?

Auch Opels Namenswahl für den neuen „Adam“ gibt Anlass zu Spekulationen. Soll hier dem Unternehmensgründer Adam Opel besondere Ehre zuteil werden? Warum bestehen die Amerikaner dann darauf, dass der Name affig-englisch ausgesprochen wird – Äddäm? Oder wird durch diesen Namen an das Archaische im Manne appelliert? Mag ja sein, aber die Biographie des biblischen Adam finde ich eher nicht nachahmenswert. Und nicht nur das: Auch Menschen, die ihr Auto als irgendwie empfänglich für Botschaften aus dem Weiblich- Unbewussten halten, fühlen sich von so viel geballter Männlichkeit verängstigt oder abgestoßen…. Aber auch Namensverirrungen in die weibliche Ecke hat es schon gegeben, so den Kleinbus von Nissan mit Namen Serena. Ein Auto – so spritzig und zuverlässig wie eine Damenbinde? Da werden vielleicht selbst jene emanzipierten Männer streiken, die von ihren Frauen regelmäßig zum Einkauf von weiblichen Hygieneartikeln geschickt werden. Irgendwo ist selbst bei denen eine Schmerzgrenze erreicht.

Ford hat mit Modellnamen bereits zweimal ein Eigentor geschossen, nämlich mit dem „Kuga“, was auf Slovenisch „Pest“ bedeutet. Der Ford „Pinto“ gab den Portugiesen und Brasilianern in den 70er und 80er Jahren häufig Anlass zu frivolen Scherzchen, denn „Pinto“ heißt auf Portugiesisch „Schwanz“. Ausgerechnet auch noch für ein eher kleines Modell!

Opa und Vitz

Auch Toyota hat in Deutschland mehrmals spöttische Kommentare ausgelöst, nannten die Japaner doch Modelle schon einmal „Opa“ oder „Vitz“. So schrieb Spiegel online bissig: „Wenn ein Marketingmitarbeiter einer deutschen Autofirma das Wort “Opa” als Autonamen vorschlagen würde, könnte er sich wahrscheinlich umgehend in der Personalabteilung melden.“ Diese Autos gingen wenigstens nicht in den Export. Anders der „MR2“. Was das Auto im englisch/amerikanischen Sprachraum – ausgesprochen „Mister Two“ – fast adelte, wäre in Frankreich sicher eine Riesenpeinlichkeit geworden, denn die Aussprache des Namens klingt gefährlich nach „merde“. Aber in der französischen Dependance von Toyota war jemand wach, und so wurde das Auto schlicht umbenannt in MR.

Es bleibt – nach meinen ganz persönlichen Odysseus-Erfahrungen – die Erkenntnis, dass der Besitz eines Autos ein Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit und, ja, Heimat vermittelt. Deshalb möchte ich hier alle Namensgeber von Automodellen erinnern: Nomen est omen!

Quelle: carmour