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Kuriose Kleinwagen der 50er

Foto: Wikipedia

Autos für alle – die unterschiedlichsten Ideen gab es dazu schon in den 30er-Jahren, bevor Ferdinand Porsche den ersten Volkswagen konstruierte. Als die Motorisierung in Deutschland dann auf Panzerketten umgestellt wurde, blieben viele Konstruktionspläne in den Schubläden.

Dort wurden sie bald nach Kriegsende hervorgeholt. Es herrschte Aufbruchsstimmung trotz Mangel. Der war allerdings überall, denn Produktionsanlagen waren demoliert oder demontiert, Metall zum Bau eines Autos gab es kaum. Also wurde heftig improvisiert: Rasenmäher-Motor, Sperrholzrahmen Karosserie aus Kunstleder. Wer Kohlen und Kartoffeln klauen musste, brauchte beim Auto keinen Luxus. Die Marken dieser wilden Zeit sind  längst Geschichte. Wir stellen Ihnen hier einige Kuriositäten vor. Sie sind Symbole ihrer Zeit, mit ihnen fuhren Wagemutige sogar über den Brenner bis nach Italien.

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Gutbrod Superior

Gutbrod Superior

Er wurde noch vor dem späteren VW als künftiger Volkswagen vermarktet und schon ab 1949 in Plochingen am Neckar wieder gebaut. Ein rundlicher Kleinwagen mit großem Faltdach und höchst innovativ: Das Modell 700E war 1952 das erste Serienfahrzeug der Welt mit Benzin-Direkteinspritzung. Trotzdem endete die Autoproduktion mangels Erfolg bereits 1954 wieder.

Kleinschnittger F 125

Kleinschnittger F 125

Der „Volkswagen aus dem Sauerland“ wog nur 170 Kilo, hatte keinen Rückwärtsgang, ließ sich aber lässig in Parklücken heben. Frauen wollen ihn noch heute in den Arm nehmen, den lieben Kleinen. Sein Einzylinder-Zweitakter leistete am Ende sechs PS – genug für 70 km/h. Platz für zwei hartgesottene Erwachsene, keine Türen, gebaut in Arnsberg von 1950 bis 1957. An einem aufwändigeren Nachfolger scheiterte die Firma.

Fuldamobil

Fuldamobil

Ein wahrhaftiger Kleinstwagen, konstruktiv im steten Wandel. Anfangs drei Räder, später vier, anfangs Sperrholz/Kunstleder-, später Aluminium-, schließlich Kunststoff-Karosserie. Zwischen 1951 und 1969 wurde das Fuldamobil nahe Oldenburg in sieben Generationen gebaut – aber insgesamt waren es gerade rund 2.900 Exemplare. Lizenzbauten gab es außer in verschiedenen Ländern Europas sogar in Südafrika und Südamerika.

Lloyd LP 300

Lloyd LP 300

Der sprichwörtliche „Leukoplastbomber“, von 1950 bis 1954 tatsächlich aus Sperrholz und Kunstleder gefertigt, bekam nach und nach eine Karosserie aus Stahlblech und mehr Leistung. Ein Sprinter war der Zweitakter nicht, aber Liebling des Volksmunds: „Wer den Tod nicht scheut fährt Lloyd“ oder „…steht am Berg und heult“. Das wurde später anders und mit Viertaktmotoren war die Marke richtig erfolgreich, sechsstellige Produktionszahlen in Bremen, Platz drei hinter VW und Opel. 1961 ging Borgward pleite und mit dem Konzern die Marke Lloyd unter.

Messerschmitt Kabinenroller KR 175

Messerschmitt Kabinenroller KR 175

Anfangs als Einsitzer für Behinderte in Rosenheim gebastelt, begann die Serienproduktion des stark verbesserten KR 175 schon 1953 in Regensburg. Das skurrile Gefährt mit drei Rädern, Motor am Hinterrad, Flugzeugkanzel und Motorradlenker gefiel dem Volk, ertrug Spott: „Schneewittchensarg“ oder „Menschen in Aspik“, verkaufte sich aber mäßig. Auch wenn er mehr und mehr wie ein normales Auto zu fahren war und sogar im Motorsport Erfolge feierte, war 1964 Schluss.

Goggomobil

Goggomobil

Abgeleitet vom Roller-Modell „Goggo“, benannt nach dem Sohn des Firmengründers Hans Glas, lief der spartanische Kleinwagen ab 1955 in Dingolfing vom Band. Der Zweizylinder-Zweitakter durfte sogar mit dem Motorradführerschein gefahren werden. Der Goggo wurde nach und nach zu einem zwar kleinen, aber vollwertigen Auto, es gab später sogar eine ansehnlich Coupé-Version. Insgesamt wurden fast 300.000 Goggos gebaut, einige hundert sogar in die USA exportiert. Erst nach Übernahme von Glas durch BMW endete 1969 die Produktion.

BMW Isetta

BMW Isetta

Die Bayern standen anfangs der 50er wirtschaftlich vor dem Aus. Das einzige neue Automodell zu groß, zu teuer, unrentabel. Eine Lizenz von Iso Rivolta aus Italien brachte die Rettung. Die „Knutschkugel“ mit der großen Tür vorne bekam ein viertes Rad, einen BMW-Motorradmotor – und war sofort ein Erfolg. Von 1955 bis 1962 wurden über 160.000 Stück verkauft. Die Isetta gilt heute als Symbol des Wirtschaftswunders. Für BMW war sie die Basis des späteren steilen Aufstiegs in den Premium-Olymp.

Spatz Victoria 250

Spatz Victoria 250

Die ersten Versionen des Kunststoff-Pioniers Spatz waren zu labil und zu schwach, erst mit dem 1957 eingeführten 250 gab es satte 14 PS und zeitgemäße Fahrleistungen. Die Karosserie aus Polyesterharz hatte keine Türen und nur mäßigen Wetterschutz. Der Einstieg war umständlich, zudem galt das Gefährt als feuergefährlich. Schon 1958 kam wieder das Aus.

Zündapp Janus

Zündapp Janus

Auch dieser ungewöhnliche Zwerg der Zündapp-Werke in Nürnberg tanzte nur zwei Sommer, 1957 und 1958. Janus hieß er, weil er zwei Köpfe – pardon, zwei Türen – hatte, eine vorne und eine hinten und damit aussah als könne er gleichermaßen vorwärts wie rückwärts gefahren werden. Er hatte einen Mittelmotor und die Fond-Passagiere guckten nach hinten. Aber: Sie hatten kein Lenkrad… Ein Einzylinder-Zweitakter mit 250 Kubik und Motorradschaltung – zu schräg für die Kunden, für wenig mehr Geld gab es damals schon solide Mittelklasse.

NSU Prinz

NSU Prinz

Das erste Auto des damals weltgrößten Motorradherstellers wurde 1958 vorgestellt und begründete eine sehr erfolgreiche Modelllinie. Anfangs mit 20, später mit 23 PS und in einer Sportversion gar mit 30 PS bis 120 km/h schnell, war der Heckmotor-Renner schon ein richtiges Auto für den Alltag oder die flotte Urlaubsfahrt der jungen Familie – „Unser Prinz“, so die Reklame. Er wurde bis 1962 hergestellt, seine Nachfolger sieht man noch heute im historischen Motorsport.

Quelle: carmour

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