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Sitzt Kollege Computer bald allein am Steuer?

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Wenn Menschen im Straßenverkehr Fehler machen, führt das häufig zu Unfällen, Staus und Umweltbelastungen, manchmal zu Kosten, Ärger und Leid. Computer sollen das ändern und das Steuer übernehmen – komplett. Optimisten sagen, schon in fünf Jahren könnten sie auf den Markt kommen.

Fehlerquelle Mensch

Wenn die kurze Linksabbieger-Phase an unserer heimischen Ampel nur für vier Autos reicht, liegt das an der Schlafmützigkeit von ein, zwei Fahrern. Wenn auf der Autobahn an einer Baustelle das Reißverschlusssystem wieder mal nicht funktioniert und der Verkehr stockt, liegt das ebenfalls an menschlicher Unzulänglichkeit.

Würden Computer unsere Autos steuern, gäbe es weniger Staus, weniger Abgasausstoß und weniger Schäden: “Menschliches Versagen ist an 75 Prozent aller Unfälle beteiligt”, sagt Alfred Eckert. Er leitet die Zukunftsentwicklung Fahrtzeugsicherheit beim Autozulieferer Continental. Conti arbeitet mit Partner BMW seit Jahren am Projekt „autonomes Fahren“ und investiert pro Jahr 100 Millionen Euro in die Entwicklung. Spätestens 2025 sollen ihre Autos fahren, ohne dass der Mensch lenkt.

Die Basis ist längst da

Schon heute sind selbst Fahrzeuge der Kompaktklasse vollgestopft mit den ersten Stufen in Richtung Roboter am Steuer. ABS, ESP, Regensensor, Auto-Light, GPS, Spurhalte-Assistent, Toter-Winkel-Warner und vieles mehr. Mit der Hilfe verschiedener Assistenzprogramme können Autos selbstständig sehen, bremsen, lenken. Die Krönung der Teilautomatisierung werden wohl Systeme wie das bei Mercedes-Benz gerade erprobte Stau-Folge-Fahren, bei dem das Auto in Stop-and-Go-Situationen bis zu einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern selbstständig anfährt, bremst und die Spur hält.

Hoch seriöse Forschung

Auch Audi ist dabei, selbstständig fahrende und damit sicherere Autos zu entwickeln. Die Ingolstädter glauben gar an die Möglichkeit eines Marktstarts bereits 2016. Die Konzernmutter VW unterstützt das AutoNOMOS-Projekt der Freien Universität Berlin, das schon 2012 Ministerin Schavan fahrerlos durch Berlin kutschierte. Und wie fast überall, wo es um High Tech in der Entwicklungsphase geht, ist das Fraunhofer-Institut dabei und forscht in dieser Richtung.

Autonomes Fahren
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In den USA fahren schon automatische Autos mit einem System des Internet-Giganten Google durch die Gegend. Für die Bundesstaaten Nevada und Kalifornien haben Google, aber auch Conti und Audi bereits die Lizenz zum Fahren erworben. Autonom, aber nur wenn noch Mann oder Frau aus Fleisch und Blut am Steuer sitzt und zur Not eingreifen kann. Continental hat einen konkreten Fahrplan auf dem Weg zum autonomen Auto: Teilautomatisierung bis 2016, Hochautomatisierung bis 2020,  Vollautomatisierung bis 2025.

Endlich wieder telefonieren

Teilautomatisierung ist heute. Doch erst danach, in der Phase der Hochautomatisierung, wird es richtig interessant. Dann muss der Fahrer das Auto nicht mehr überwachen, sondern kann die Kontrolle an das System übergeben. Und dann könnte er vieles tun, was er heute am Steuer nicht darf: lesen, schreiben, arbeiten und – endlich wieder – telefonieren.

Feilen am perfekten Übergang

Die größte Herausforderung liegt für die Entwickler zurzeit noch darin, die Übergabe des Autos durch das System an den Fahrer zu definieren. Wenn in einem hochautomatisierten Fahrzeug der Fahrer beispielsweise beim Heranfahren an die definierte Autobahnausfahrt nicht wieder ins Geschehen eingreift, muss das Auto selbstständig auf dem Seitenstreifen anhalten. Das vollautomatisierte Auto unterscheidet sich im Übrigen dadurch vom hochautomatisierten Auto, das es nicht nur auf der Autobahn allein fährt, sondern auch im Stadtverkehr.

Hausaufgaben für Juristen

Dann muss allerdings ausgeschlossen sein, dass der Computer zickt und selber einen Unfall baut. Bei Teilausfall der Systeme, muss der Fahrer in Sekunden wieder das Steuer übernehmen. Bislang ist er gesetzlich dazu verpflichtet, sein Fahrzeug permanent zu überwachen. Laut Artikel 8 des „Wiener Übereinkommens über den Straßenverkehr“ von 1968 „muss jedes sich bewegende Vehikel“ einen Fahrer haben und der „muss sein Fahrzeug beherrschen“. Wenn Automaten die Kontrolle übernehmen sollen, haben Ingenieure und Juristen noch ein paar knifflige Hausaufgaben zu bewältigen, etwa: Ist der Fahrer noch Fahrer oder nur Passagier? Und mit welchem Grad an Verantwortung? Ansonsten gilt eine Weisheit von Winston Churchill: „Der kluge Mann macht nicht alle Fehler selber. Er gibt auch anderen eine Chance.“ Der andere wäre in diesem Fall Kollege Computer.

Quelle: Carmour

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