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High Tech im Autoschlüssel

Foto: Getty Images

Als “Statussymbol” ist der Autoschlüssel seit jeher eine Herausforderung für Designer. Inzwischen werden sie dazu noch zu technischen Tausendsassas.

Der Jungspund mit Sonnenbrille und Gel im Haar betritt die Szene-Bar und haut lässig den Autoschlüssel mit Porsche-Anhänger auf den Tresen. Manch ein weiblicher Gast schaut verstohlen zu dem vermeintlich coolen Typ hinüber. Da fährt ihm der Barkeeper in die Parade: „Wenn Du hier was reißen willst, solltest Du vorher die Fahrradklammern abnehmen…“

Kleine High Tech-Maschinen

Moderne Autoschlüssel eignen sich eher weniger zum Angeben. Sie haben sich zu kleinen High Tech-Maschinen verändert und übernehmen vielfältige Funktionen wie das Becircen der Wegfahrsperren, das Fernbedienen der Zentralverriegelungen oder das Öffnen und Schließen von Fenstern. Sie speichern Daten und Kilometerstände und wollen oft gar nicht mehr ins Zündschloss gesteckt werden, sondern bleiben gemütlich in der Jackentasche liegen.

Doch über die weitere Zukunft dieses wichtigen Accessoires entscheiden die Ingenieure und Entwickler: Geht der Weg des Autoschlüssels weiter in Richtung elektronische Aufrüstung oder übernimmt das Smartphone immer mehr seiner Funktionen und der Schlüssel fällt zurück auf die Funktion des am Schlüsselbund klimpernden schmückenden Beiwerks?

Immer komplexere Funktionen

Alles ist möglich. Der Zulieferer Conti zeigt mit seinem Programm „Simplify your drive“ wie die Schließ- und Startfunktion des Autoschlüssels nur noch eine von vielen Anzeige- und Bedienfunktionen auf dem Smartphone sein könnte. Bei Delphi dagegen werden beim Verlassen des Fahrzeugs wichtige Daten auf den Schlüssel übertragen und können dort auch außerhalb des Autos abgerufen werden.

Simplify your drive
Foto: Conti

Die großen Autozulieferer entwickeln ebenso wie die Automobilhersteller ständig weitere Lösungen zum schlüssellosen Autofahren. Den Masterkey von Hülsbeck und Fürst etwa. Der hat eine Software, die die Funktionen des Schlüssels auf ein Smartphone überträgt. Wer sich über einen speziellen Code autorisiert, kann Türen entriegeln, das Auto starten und Inspektionsdaten, Benzinstand und Reifendruck abfragen, die Standheizung und -lüftung bedienen und die Fenster öffnen. Selbst Fehlermeldungen der Elektronik lassen sich abrufen. Oder Eltern können die Power des Fahrzeugs begrenzen, wenn Junior ans Steuer der starken Limousine lassen.

Ähnliches leistet auch das System MyKey von Ford, das aussieht wie ein ganz normaler Autoschlüssel. Doch Eltern können einprogrammieren, was sie für die Sicherheit ihrer Kinder für notwendig halten: Zündungsverweigerung oder Warnhinweise, wenn die Insassen noch nicht angeschnallt sind, Zwangseinschaltung von Sicherheitssystemen wie der Bremsautomatik bei Tempo 30. Sogar die Lautstärke des Autoradios kann beschränkt werden. Möglicherweise werden solche Funktionen aber als Gängelei und Bevormundung angesehen – und die technisch versierten Junioren hacken und überlisten das System.

Schwachstelle Datensicherheit

Siemens hat einen Schlüssel mit integriertem Alkoholsensor entwickelt – bisher ein Ladenhüter, weil zu teuer. BMW arbeitet am Schlüssel als Kommunikationsschnittstelle, über die der Fahrer bezahlen, Tickets und Hotelzimmer buchen oder schlicht Infos runterladen kann. Doch an der Datensicherheit gilt es noch zu arbeiten, und der Kunde findet nicht alles gut, was machbar ist. Der (funktionierende) Autoschlüssel mit Touchscreen wird´s eher nicht schaffen.

Tendenziell geht der Weg also eher dahin, viele Auto-Funktionen auf das Smartphone zu übertragen. Aber der gute, alte Autoschlüssel wird nicht sterben, sondern durch Individualisierung, Materialien und aufwendige Gestaltung noch mehr Charme entfalten. Und das über lange Zeit. Denn so ein Schlüssel soll ein Autoleben lang halten, Smartphones hingegen wechseln wir wie das sprichwörtliche Hemd. Autoschlüssel also: ein Schmuckstück mit Funktion. Zum Angeben geeignet, zum Auf-den-Tresen-hauen zu schade.

Quelle: carmour