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Karins Blog

Foto: Getty Images

Einpark-Eklat auf der Einkaufsmeile

Samstagmorgen auf der Mini- Einkaufsmeile meiner friedlichen Kleinstadt. Einer muss wohl immer das Idyll stören. Auch ich bin an diesem Vormittag auf den Beinen, um meine Wochenendkäufe zu erledigen. Parkplätze sind rar an diesem Vormittag, deshalb bin ich lieber gleich mit dem Fahrrad gekommen. Da werde ich plötzlich Zeugin einer irren Performance: Übereck stellt der Fahrer eines 7er BMW an der Ecke unserer kleinen Hauptstraße und einer idyllischen Seitenstraße sein glitzerndes Status-Symbol ab. Kalt wie Hundeschnauze, zumindest äußerlich und mit dem herablassenden Habitus des überzeugten Besserverdieners steigt der graumelierte Mitsechziger mit dem dunkelblauen Goldknopf-Blazer aus seinem Oberklasse-Gefährt. Ein bestimmt nicht vorhandenes schlechtes Gewissen verbirgt der Suggardaddy hinter einer tropfenförmigen Ray Ban-Sonnenbrille. Seine blonde, kaum dem Teeny-Alter entwachsende Beifahrerin schält demonstrativ lässig ihren Revue-Körper aus dem edlen Ledersitz.

Plötzlich stürzt eine ältere, attraktive Dame auf den feinen Herrn zu. Ihr ganzer Körper ist jetzt fleischgewordene Empörung. Ist es die Ex, die dem Graumelierten vor aller Welt eine Szene machen will? Mitnichten. Es ist unsere Nachbarin, Frau G. Die war noch nie auf den Mund gefallen, und wenn ihr was nicht passt…, oh, oh. Kommt jetzt ein bühnenreifer Auftritt, wie wir ihn schon manches Mal im Treppenhaus erleben durften?

„Meine Güte“, brüllt sie den Verblüfften an. „Wo haben Sie denn ihre Kinderstube gelassen?“ Der so Angegangene zuckt kurz zusammen und schwankt zwischen Ignorieren und Zurückbeißen. Frau G. setzt mit keifender Stimme noch einen drauf: Je größer das Auto, umso kleiner …“

Alle Anwesenden, zumindest die Frauen, denken in diesem Moment wohl im Kollektiv: „Oh ja, sag’s ihm, sprich es aus, schrei‘s ihm ins Gesicht.” Aber statt des erwarteten Wortes aus dem Genitalbereich komplettiert sie ihren Satz mit den Worten: „…das Gehirn.“

Der Typ prallt geschockt zurück, er sieht aus, als sei ihm der S-Vergleich vielleicht doch lieber gewesen, als der massiv vorgetragene Zweifel an seiner Intelligenz. Wie von der sprichwörtlichen Tarantel gestochen, springen Suggerdaddy und das Begleitmäuschen in ihre Nobelkarosse zurück.

Mit quietschenden Reifen fahren sie davon und hätten fast noch den Fiffi einer uralten Dame überfahren. Die reckt dem Fahrzeug grimmig ihre knochige Hand hinterher. Das Volk klatscht, die resolute Nachbarin nickt einmal kurz huldvoll in die Menge. Dann entschwindet sie ins Tabakgeschäft, um sich mit der Zigaretten-Ration fürs Wochenende und dem neuesten Klatschmagazin einzudecken.

Das Leben auf unserer kleinen Einkaufsmeile ist wieder in Ordnung.

Quelle: carmour