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Karins Blog: Die Hochzeit meines besten Freundes

Foto: Getty Images

Mein Freund Alex lebt und liebt gerne ungewöhnlich. Deshalb war es nur logisch, dass er auch seine Hochzeit mit der temperamentvollen Maria spektakulär in Szene setzen würde. Und wir Gäste wurden nicht enttäuscht.

Hochzeitspaar in der Gangsterlimousine

Unter dem Applaus der zahlreich versammelten Freunde und Verwandten kam das Hochzeitspaar mit einem original erhaltenen Citroën Traction Avant 11 CV aus dem Jahre 1952 nebst stilgerecht gekleidetem Chauffeur vor dem Standesamt angerauscht. Uns klappten im Kollektiv die Kinnladen

Foto: carmour, K. Domann
Foto: carmour, K. Domann

runter, und wohl jeder fragte sich: Wo hat unser Freak nur wieder diese Gangsterlimousine her? Den Beinamen trägt das klassisch schöne Auto übrigens einerseits, weil es Dank seiner selbsttragenden Karosserie leicht, schnell und fahrsicher, damit ein beliebtes Fluchtfahrzeug war. Und weil in so manchem Film Noir sowohl die bösen als auch die guten Jungs im Traction Avant durch die finstere Nacht hetzten.

Lifestyle der 50er-Jahre 

Solche Themen traten aber erst einmal in den Hintergrund, als dem Gefährt eine strahlend schöne Braut entstieg. Maria war gestylt wie eine Filmgöttin der Fünfziger Jahre. Sie sah einfach umwerfend aus. Auch der Bräutigam war nicht von schlechten Eltern. Stattlich sah er aus, mein Freund Alex. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ihm sein dunkelgrauer Anzug mit dem moosgrünen Revers ganz genau passend zur Hochzeitslimo auf den stattlichen Leib geschneidert worden war.

Ich hege ja schon länger den Verdacht, dass Alex lieber in den Early Fifties als in der jetzigen Zeit gelebt hätte. Seine Liebe zur klassisch schönen Maria, sowie zu Autos, Musik und Lifestyle-Objekten jener Zeit lassen jedenfalls schwer darauf schließen. Bei den ganzen Attraktionen, die uns vor dem Standesamt geboten wurden, verwandelte sich ein Großteil der Anwesenden in ein wahres Paparazzigeschwader. Es wurde geknipst und fotografiert, was die Smartphones und Digitalkameras so hergaben.

Rührung und Tränen allerorten

Drinnen wurde die Standesbeamtin schon ganz unruhig. Wahrscheinlich wollte sie an diesem Freitagnachmittag pünktlich Feierabend machen und rechtzeitig mit ihren Kumpels im Biergarten die herrliche Spätsommersonne genießen. Mit zwanzigminütiger Verspätung fing die Zeremonie mit einem Musikstück an, das umgehend für Taschentuchalarm sorgte.

„Somewhere over the rainbow“ von Israel Kamakawiwo’ole löste bei uns Mädels erst mal einen kollektiven Heulkrampf aus. „Nee, wat is dat schön“, dachten wohl alle, bis auf ein paar Hartgesottene, die diese ganze Nummer ziemlich kitschig fanden. Die Standesbeamte legte sichnach dieser Steilvorlage jedenfalls mächtig ins Zeug, auch wenn sie kein einziges Wort auswendig konnte und sogar ihren eigenen Namen vom Blatt ablesen musste.

“I will always love you”

Nachdem die Ringe gewechselt und der obligatorische Kuss ausgetauscht war, kam der zweite Angriff auf unsere Tränendrüsen. Die drei schönen Schwestern der Braut, extra aus Sevilla angereist, performten „I will always love you“ von Whitney Houston. Zwar trafen sie nicht immer alle Töne, dafür aber war die Inbrunst umso größer, mit dem sie diesen Schmachtfetzen interpretierten.

Nach dieser Gesangseinlage musste nicht nur die Braut ganz dringend ihr Augen Make up auffrischen. Während die Mädels die Toilette des Standesamts stürmten, scharten sich die männlichen Hochzeitsteilnehmer um die Hochzeitskutsche. Nicht ohne Stolz in der Stimme wies Alex auf die liebevoll gepflegte alte Patina des Autos hin. Woher er den Wagen mit dem französischen Nummernzeichen und dem schweigsamen Chauffeur hatte, das blieb allerdings sein gut gehütetes Geheimnis.

Maria macht den Kerkeling

Als die frisch geschminkten Damen wieder zum männlichen Teil der Hochzeitsgesellschaft stießen, ging es im Konvoi zur Fest-Location. Das Brautpaar standesgemäß im Citroën 11 CV vorneweg. Huldvoll winkte Maria wie weiland Hape Kerkeling als Königin Beatrix aus ihrer Hochzeitskarosse.

Da schauten die Passanten ganz schön, als wir da alle laut hupend durch die Straßen unserer sonst so beschaulichen Kleinstadt fuhren. Viele winkten auch zurück, denn so ein Spektakel bekommt man nicht alle Tage geboten. Es ist dann eine richtig tolle Party geworden auf der noch zweimal „Over the rainbow“ gespielt wurde – weil`s eben sooo schön ist.

 

Quelle: carmour

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