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Warum ich kein “Fashion Hero” auf Pro 7 wurde

Als der Anruf von Pro 7 kam, ob ich Kandidatin bei Fashion Hero werden wolle, fühlte ich mich sehr geschmeichelt. Als es dann doch nichts wurde, war ich erleichtert.

In einer Show mit Claudia Schiffer

Als Designerin habe ich natürlich Träume. Einer meiner Träume ist es, einmal nicht aufs Geld schauen zu müssen. Dann hätte ich keinerlei Einschränkungen und könnte eine Kollektion erstellen, die den Betrachter umhaut. Und ich könnte ein großes Publikum erreichen. Dann wäre ich ein Fashion Hero. Die Macher der neuen Staffel des gleichnamigen Pro 7-Formats haben mir genau diese Möglichkeit geboten. Sie hing vor meiner Nase wie die Karotte vor dem Esel. Gefühlte zehnmal wurde ich von dem TV-Team der neuen Show mit Claudia Schiffer angerufen, ob ich nicht Lust hätte, mitzumachen. Das war schon ein Kompliment für mich. Hatte ich Lust, meinen Traum zu verwirklichen? Mit einem Schlag im ganzen Land bekannt sein, dazu die Aussicht auf viel Geld – das klang alles extrem verlockend.

Die andere Seite der Medaille

Aber wie alle hat auch diese Medaille zwei Seiten. Je intensiver ich mit den Machern sprach, desto mehr fremdelte ich. Ein Kreativitätskrieg live vor der Kamera? Nicht mit mir. Ich bin definitiv kein Marcel Ostertag, der sich in Strumpfhosen und High-Heels im Blitzgewitter wohl zu fühlen scheint. Und wer kümmert sich während der aufwendigen Dreharbeiten um meine Boutique und meine Kundinnen? Ganz zu schweigen, dass ich meinen kleinen Sohn hätte alleine lassen müssen. Wie die sich im Fernsehen auch immer einen Jungdesigner vorstellen – ich glaube, ich bin nicht die ideale Besetzung dafür.

Exklusivität oder Mainstream?

Dazu kommt noch, dass sich die Macher des Formats die Sache mit der umhauenden Kollektion dann doch völlig anders vorstellen als ich. Denn um bei der Jury, bestehend aus den Markt-Giganten Karstadt, S´Oliver oder Asos, einen heiß begehrten Auftrag zu ergattern, hätte ich schon die von mir geliebten Gefilde der Haute Couture mit ihren Traumroben verlassen und mich dem Mainstream widmen müssen. Nichts gegen Karstadt – aber mein Design dort? Kann ich mir schwer vorstellen. Wo bleibt dann die Exklusivität, die ich meiner Kundschaft bieten kann?

Lieber doch nicht

Überhaupt habe ich meine Zweifel, ob die Finalisten der Show langfristig einen Nutzen daraus ziehen. Was, wenn die Klamotten nicht laufen? Zurück zur Haute Couture? Ob mich meine Kundinnen dann noch ernst genommen hätten? Mein Entschluss stand fest. Und bei Pro 7 wollte man wohl auch keine Bedenkenträger als Kandidaten. So sind am Ende alle froh. Die Show kriegt hemmungslos Begeisterte, die sich gerne in den Mittelpunkt stellen. Und ich bleibe meinem Stil treu.

Wie wär’s mit “Car Style Hero”?

Und dann sah ich neulich die erste Folge von Fashion Hero – und ich wusste, dass ich mich richtig entschieden hatte. In so eine Show passe ich einfach nicht hinein. Nicht einmal Claudia Schiffer hat es geschafft, mehr als eine Dauerwerbesendung für bestimmte Modehäuser daraus zu machen.

Aber keine Häme, nirgends. Ich bin schon stolz, dass Ihr Pro 7-Leute bei mir angefragt habt, ganz ehrlich. Vielleicht lerne ich Claudia Schiffer auch einmal ohne Euch kennen, und muss mir dabei um Karstadt und Co keine Gedanken machen.

Liebe TV-Macher, legt doch mal eine Show unter dem Motto „Car Style Hero“ auf, wo sich junge Mode-Designer mit Auto- und Produktdesignern zusammen tun. Dann wäre ich sofort dabei, vorausgesetzt, ich muss nicht zum Showhuhn mutieren.

Wenn Ihr eine Auto Styling Show plant, meldet Euch doch wieder bei mir. Meine Handynummer habt ihr ja noch.

 

Quelle: carmour