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Die Carmour-Kolumne:Von der Klima- zur Vollgaskanzlerin

Foto: Getty Images, carmour

Beim betreuten Wohnen finden Menschen Unterstützung, die je nach Lebenssituation unterschiedliche Formen der Hilfe benötigen. Das sind beispielsweise alte, psychisch kranke, obdachlose und behinderte Menschen oder Jugendliche. Dieses lobenswerte Konzept hat die Bundesregierung erweitert und auf Teile der deutschen Autoindustrie übertragen.

CO2-Absenkung vom Tisch

Dort findet nun nämlich eine Art betreutes Fahren statt. Betreut von der Kanzlerin höchstselbst, müssen sich die Hersteller von Luxuslimousinen nicht mehr ums Klima und lästige CO2-Grenzwerte kümmern. Die sollten eigentlich zwischen 2015 und 2020 von 130 Gramm je Kilometer auf 95 Gramm sinken. Außerdem sollten die sogenannten Supercredits für E-Autos, die 2020 doppelt angerechnet werden, bis 2023 auf den Faktor eins abgesenkt werden.

Bei Anruf Aufschub

Fünf Jahre wurde darüber in Brüssel zäh verhandelt. Als das Papier endlich vorlag, rief Merkel beim derzeitigen EU-Ratspräsidenten Enda Kenny an und drängte auf Aufschub. Ihr Argument: “Wir haben die Ergebnisse der Verhandlungen sehr kurzfristig bekommen.” Was sind schon fünf Jahre – Politiker denken und handeln ja, wie man weiß, in längerfristigen Zusammenhängen. Frühestens 2014 – nach Ansicht Brüsseler Diplomaten vielleicht nie – wird die Norm neu diskutiert.

Große Empörung bei Umwelt- und Verbraucherverbänden

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) „gratuliert Daimler und BMW zur Übernahme der Regie im Kanzleramt“ und Otmar Lell vom Bundesverband der Verbraucherzentralen folgert: “Die im Kompromiss beschlossenen Grenzwerte hätten bedeutet, dass der Verbrauch von Autos bis 2020 auf im Schnitt rund vier Liter sinken muss”. Das wird jetzt nicht geschehen, denn “die Bundesregierung hat damit deutlich gemacht, dass sie die Geschäftsstrategien von BMW und Mercedes über das Verbraucherinteresse stellt.”

Pikantes Detail: Der derzeitige Staatsminister im Kanzleramt, Eckhard von Klaeden, wechselt demnächst als Cheflobbyist zu Mercedes. Auch dazu gratuliert die DUH: „Der vom Stuttgarter Autobauer als Cheflobbyist bestellte Staatminister im Kanzleramt von Klaeden ist ganz offensichtlich jeden Euro wert“.

Der Kanzlerin ist das alles offenbar egal. Bei der NSA-Spionage-Affäre duckt sie sich weg, für hochmotorisierte Abgasschleudern macht sie sich dafür stark. Sie handelt wie ihr einstiger Förderer und Vorgänger Helmut Kohl: „Wichtig ist, was hinten dabei herauskommt.“ Den Auspuff von SUVs hatte er dabei weniger im Sinn, es ging ums Wahlen gewinnen. Und da ist das politische Klima für die Kanzlerin derzeit so günstig, dass sie kurzfristig mal das Weltklima vernachlässigen kann. Aber Politiker denken ja in längerfristigen Zeiträumen.

 

 

Quelle: carmour

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