eco

Vom Hybridauto zum Hybridkraftwerk

Fotos: Getty Images / Wikipedia

Hybridautos sind voll im Trend. Jetzt gibt es eine Neuheit im Kraftwerksbau: Hybride Stromversorgung ohne CO2-Ausstoß, die auch umweltfreundlich Treibstoff für die künftige Generation der Autos mit Brennstoffzelle produzieren.

Einer der größten deutschen On-Shore-Windparks hat jetzt in Mecklenburg-Vorpommern seinen Betrieb aufgenommen. Die Anlage liegt zwischen den Orten Grapzow und Werder und ist etwas ganz besonderes: Sie produziert Strom, Wasserstoff und ohne Zugabe von fossilen Brennstoffen wieder aus Wasserstoff bei Bedarf Strom – ohne Kohlendioxid auszustoßen. Statt Abgasen fällt nur Wasserdampf an. Zusätzlich wird so mit Null Emission Treibstoff für Wasserstoffautos gewonnen, etwa für solche mit Brennstoffzelle.

Keine Kohlenwasserstoffe

Der Windpark zählt aufgrund der Speicherung und Nutzung von Wasserstoff zu den Hybridkraftwerken. Mit einer Gesamtleistung von im Endausbau 140 Megawatt (MW) wird er einer der größten Onshore-Windparks in Deutschland sein. Im Unterschied zu anderen Hybridkraftwerken, wie etwa der Anlage im nahe gelegenen Prenzlau, wird im Speicherkreislauf, mit dem Speichermedium Regenerativer Wasserstoff („RH2“), komplett auf die Verwendung oder Beimischung von Kohlenwasserstoffen verzichtet.

Strom für 125.000 Haushalte

Insgesamt leisten 28 Windkraftanlagen rund 144 Megawatt. 15 von ihnen zählen zu den leistungsstärksten der Welt: Jede verfügt über eine Nennleistung von 7,5 MW, der Rotor hat 127 Meter Durchmesser, die Nabenhöhe liegt bei 135 Metern, damit erreichen die Windräder eine Höhe von knapp 200 Metern. Zusätzlich erzeugen 13 Anlagen je 2,3 MW. Mit der insgesamt erzeugten Energie können 125.000 Haushalte versorgt werden.

Wasserstoff aus Wind

Werder_Kessin_Windpark_NordostNeben der Windkraft nutzt die neue Anlage, die zunächst drei Jahre zur Probe laufen soll, noch andere innovative Komponenten. Einen Elektrolyseur mit einer Leistung von einem Megawatt, der bei starkem Wind aus überschüssigem Windstrom Wasserstoff erzeugen soll, einem Verdichter, einem Wasserstoffspeicher sowie einem Blockheizkraftwerk, mit dem der Wasserstoff in Zeiten geringer Windstromeinspeisung wieder Strom erzeugen kann.

Abwärme heizt Bauernhof

Die anfallende Wärme wird zur Beheizung eines nahe gelegenen landwirtschaftlichen Betriebes eingesetzt. Ziel des Testbetriebs ist, Techniken weiter zu erforschen, mit denen die wetterbedingt variable Einspeisung von Windkraft anlagen ausgeglichen werden können.

Keine Stromverschwendung mehr

Denn bei starkem Wind zu viel Strom an, das Netz kann ihn nicht aufnehmen. Im Jahr 2010 etwa konnten in Deutschland 150 Gigawattstunden (GWh) Strom nicht eingespeist werden. Und je mehr Windkraft genutzt wird, desto mehr steigt das Risiko der zeitweisen Überkapazität – Stromverschwendung.

Voraussetzung für die Energiewende

Also erzeugt man mit dem überflüssigen Windstrom Wasserstoff, speichert diesen, kann ihn später ins Erdgasnetz einleiten, an Wasserstofftankstellen liefern oder in Zeiten von Windflaute wieder Strom daraus gewinnen. Die Verbreitung einer solchen Speichertechnologie im großen Stil wäre Voraussetzung für eine Umsetzung der Energiewende, denn sie würde Windstrom sicherer machen, Schatten- oder Reservekraftwerke zum Beispiel mit Kohle- oder Kernenergie betrieben, könnten abgeschaltet werden.

Kosten: 220 Millionen

Die Kosten des Gesamtprojektes: Rund 220 Millionen Euro. Der Wasserstoffspeicher wurde von 4,5 Mio. Euro aus dem Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie bezuschusst.

 

Quelle: carmour

Das könnte Sie auch interessieren:

eco

Autos mit Wind betanken

Im brandenburgischen Prenzlau hat die Zukunft schon begonnen. Dort können wir mit dem Auto vorfahren und mal schnell 50 Liter Wind tanken.

weiterlesen