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Die Elektromobilität steht im Stau

Foto: Getty Images

E-Mobilität ist einfach zu teuer, behaupten die Automanager. Eine Studie weist in eine andere Richtung. Und ein Mann handelt.

Egal ob Automesse in Detroit, IAA in Frankfurt oder eben jetzt Autosalon in Genf – mal mehr, mal weniger protzige Benzinkutschen beherrschen das Feld und bestimmen das Image der Hersteller. Dabei ist es keine drei Jahre her, dass die Autoindustrie den Aufbruch in eine neue, emissionslose Welt gefeiert hat. Das ist nun vorbei, stellt Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger CAR Institut fest: “Die Feierlaune ist längst verflogen. Neue Projekte sind kaum zu erkennen, ein bisschen Plug-In Hybride, um den Willen zu zeigen, aber die großen Investitionen waren gestern.”

Nur die Bundesregierung hält weiterhin an ihrem Ziel fest, bis zum Jahre 2020 eine Million Elektroautos auf unsere Straßen zu bringen und wird dafür von den meisten Automanagern nur noch belächelt. Die sehen im hohen Kaufpreis eines der wichtigsten Hindernisse für Elektroautos auf dem Weg zum Massenmarkt.

Wenn sich die Branche darin mal nicht täuscht! Denn eine neue europaweite Studie zur Versorgung mit sauberer Energie kommt zu einem überraschenden Ergebnis, das Rückschlüsse auf die Akzeptanz der Elektromobilität zulassen könnte. Energie aus Sonne und Windkraft trägt demnach zur allgemeinen Lebenszufriedenheit der Bevölkerung bei, auch wenn sie teurer als konventionelle ist. Unter dem sperrigen Titel “Electricity Supply Preferences in Europe – Evidence from Subjective Well-Being Data” (Präferenzen bei der Stromversorgung in Europa – Befunde anhand von Daten zum subjektiven Wohlergehen) haben die beiden Oldenburger Volkswirtschafts-Professoren Heinz Welsch und Philipp Biermann den Zusammenhang zwischen der Stromversorgung, ihren länderspezifischen Kosten, ihrer Umweltfreundlichkeit, Sicherheit und der allgemeinen Lebenszufriedenheit der Bevölkerung untersucht.

Dabei stützen sie sich zum einen auf Datenmaterial der Internationalen Energie-Agentur über den jeweiligen Energiemix aus Kohle, Öl, Gas, Wasser, Sonne und Wind, und Biokraftstoffe. Für den subjektiven Faktor greifen sie auf repräsentative Erhebungen zurück, die im Rahmen der European Social Surveys (ESS) im Zeitraum 2002 bis 2011 in 26 europäischen Ländern bei rund 140.000 Personen durchgeführt wurden. “Durch den Abgleich der Daten haben wir festgestellt, dass mit einem höheren Anteil von Wind- und Solarstrom gegenüber der Kernenergie die allgemeine Zufriedenheit der Bevölkerung in den europäischen Ländern steigt”, erklärt Welsch. “Da ein höherer Anteil von Wind- und Solarenergie im Durchschnitt mit höheren und ein höherer Kernenergieanteil mit niedrigeren Strompreisen einhergeht, deuten unsere Befunde auf eine Präferenz für saubere und risikoarme Formen der Stromversorgung trotz höherer Kosten hin”, so Welsch. Im Schnitt habe ein Anstieg der Wind- und Solarenergie um einen Prozentpunkt denselben Einfluss auf die allgemeine Zufriedenheit wie ein Anstieg des jährlichen Haushaltseinkommens um mehr als 900 Euro.

Natürlich spielt bei diesem Ergebnis die Furcht vor der Atomkraft eine wichtige Rolle, weshalb eine Eins zu Eins-Übertragung auf die Automobilität nicht greift. Die etablierte Alternative zum E-Auto ist schließlich der Benziner, und von dem geht bekanntlich keine unmittelbare Lebensgefahr aus. Dennoch bleibt die Erkenntnis, dass höhere Kosten für saubere Energie kein Totschlagargument sind.

Und dann platzte dieser Tage noch die Meldung herein, dass ein Außenseiter der Branche wagemutig voran geht. Der Tesla-Gründer Elon Musk plant eine Großfabrik, die pro Jahr eine halbe Million Autobatterien produzieren und die Batteriekosten um 30 Prozent senken soll. Da wagt einer was. Wenn der Plan aufgeht, könnten E-Autos bald konkurrenzfähig werden. Löst man dann noch das leidige Reichweitenproblem, könnten sie bald ein Massenprodukt sein.

 

 

Quelle: carmour