zukünftiges

Autos mit Wind betanken

Foto: Enertrag

Im brandenburgischen Prenzlau hat die Zukunft schon begonnen. Dort können wir mit dem Auto vorfahren und mal schnell 50 Liter Wind tanken. Oder so ähnlich. In Prenzlau steht das weltweit erste Hybrid-Kraftwerk. Das verwandelt Windenergie in Wasserstoff, und den kann man speichern. Ein wichtiger Baustein für die Energiewende.

In Autos ist nachhaltige Energienutzung durch Hybrid-Technologie Großserien-Alltag. 1997 rollte das erste Serien-Hybridauto vom Band, heute fahren Millionen der Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor auf den Straßen der Welt. Ein vergleichbares Konzept ist nun in Prenzlau mit dem Bau des ersten Hybrid-Kraftwerks verwirklicht worden. Es vernetzt drei Energiequellen miteinander – Wind, Biogas und Wasserstoff – und ist so in der Lage, gleich mehrere Umwelt-Probleme auf einmal zu lösen.

Vorteil 1: Das Kraftwerk muss bei zu viel Wind nicht abgeschaltet werden, sondern erzeugt mit dem überschüssigen Strom Wasserstoff und speichert ihn.

Vorteil 2:  Es liefert auch bei Flaute Strom, erzeugt mit dem gespeicherten Wasserstoff und Biogas aus in der umliegenden Agrar-Region gewonnener Biomasse.

Vorteil 3: Das Kraftwerk arbeitet praktisch CO2-neutral.

Vorteil 4: Überschüssiger Wasserstoff kann ins Fernwärmenetz und zur Belieferung von Wasserstofftankstellen genutzt werden.

Ein neuer Typ Kraftwerk

Wasserstoff
Foto: Enertrag

So wird – ein Novum für regenerative Energiequellen und womöglich der Schlüssel zu einer erfolgversprechenden Energiewende – stets gleichmäßig Strom ins Netz gespeist. Die umstrittenen Regelkraftwerke, betrieben mit Kohle oder Erdgas, die die Stromzufuhr bislang einigermaßen konstant halten, werden so auf Sicht überflüssig und allein dadurch der CO2-Ausstoß weiter signifikant gesenkt. Bei der Grundsteinlegung des Hybridkraftwerks in ihrer Heimat-Region Uckermark nicht weit von Berlin sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Von diesem neuen Typ Kraftwerk werden viele etwas lernen.“

Fraunhofer-Institut lieferte Technik-Input

Wer sich heute der richtungweisenden Anlage nähert, sieht zunächst nichts Auffälliges. Drei konventionelle Windräder, Stromtrassen, ein gut zehn Meter hohes Kraftwerksgehäuse, drei große, flachliegende Wasserstofftanks mit den Schriftzügen des örtlichen Betreibers Enertrag und drei kuppelartige Gastanks hinter den Gebäuden. Die Technologie hinter der Vernetzung, Steuerung und Speicherung von regenerativer Energie wurde vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik entwickelt und mit dem  Klimaschutzpreis der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ausgezeichnet.

Zusammenspiel erneuerbarer Energien

Alle erneuerbaren Energien zeichneten sich bislang durch ein gemeinsames Problem aus: Unregelmäßigkeit. Scheint die Sonne zu viel, bläst der Wind zu stark, strömt das Wasser zu heftig, überlastet das Kraftwerk jeweils das Stromnetz. Und im Dunkeln, bei Flaute oder Niedrigwasser bleibt der Strom ganz aus. Nicht so bei der neuen Technologie: Überflüssiger Strom aus den drei Windkraftanlagen betreibt den Elektrolyseur, der die Luft in Wasserstoff und Sauerstoff spaltet und pro Stunde bis zu 120 Kubikmeter Wasserstoff in die Speicher schickt. Weht zu wenig Wind, verbrennen zwei Blockheizkraftwerke  ein variables Gemisch aus Wasserstoff und Biogas und erzeugen so den benötigten Strom.

Die Brücke zum Verkehrssektor

Wasserstoff-Tankstelle
Foto: Total

Aber das Hybrid-Kraftwerk kann noch mehr: Es bedient das Fernwärmenetz, es kann einen Anteil von fünf Prozent Wasserstoff an das Erdgasnetz liefern. Vor allem aber erzeugt es „grünen“ Wasserstoff. Und den benötigen die in der „Clean Energy Partnership“ (CEP) zusammengeschlossenen Auto- und Mineralölkonzerne sowie Energieversorger genauso dringend wie die Politik. In diesem Typ des Hybrid-Kraftwerks wird rein aus erneuerbaren Energien Wasserstoff gewonnen. Der wird schon heute in Tanklastwagen nach Berlin und Hamburg gebracht und an Wasserstofftankstellen vertrieben. Damit entsteht eine Brücke zwischen erneuerbaren Energien und dem Verkehrssektor. Der Kreislauf für emissionsfreie Mobilität schließt sich.

Ein wichtiger Schritt zur Energiewende

Das erste Hybridkraftwerks bei Prenzlau hat 21 Millionen Euro gekostet und leistet zunächst sechs Megawatt. Die nächsten drei Kraftwerke dieses Typs sind im Bau oder in Planung. Welche Kapazitäten ein einzelnes Hybridkraftwerk haben soll, ob einige große oder viele kleinere den Energiebedarf der Zukunft besser abdecken können, wird noch erforscht. Ein sinnvoller Schritt hin zur Energiewende ist die Technologie in jedem Fall.

Quelle: carmour

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