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Island – Versuchslabor für die Brennstoffzelle

Fotos: Getty Images

Island bietet aufgrund der Geothermie und Wasserkraft beste Voraussetzungen für einen geschlossenen ökologischen Energiekreislauf. Hier testen fast alle großen Autohersteller zukünftige, mit Brennstoffzellen angetriebene Fahrzeuge.

Eine Insel für Warmduscher

Wer würde nicht mal gerne zuhause im Januar ordentlich durchlüften, ohne die Heizung abzudrehen? Und wenn es zieht, mit einem entschlossenen Griff den Thermostat hochstellen, ohne dass der männliche Teil des Haushalts erschrocken mit der letzten Heizkostenabrechnung wedelt. Ausgerechnet in Island ist das gang und gäbe. Als Urlaubsziel ist es für alle, die leicht frieren und schnell kalte Hände und Füße bekommen – also Frauen –   eine Herausforderung: durchschnittliche Höchsttemperatur im August 13 Grad, 140 Regentage im Jahr, schön gleichmäßig verteilt über alle Monate. Die restliche Zeit ist es trüb und nebelig. Aber für Warmduscher ist die Insel einfach ideal. Dort wird Wasser aus dem nahen Geothermalkraftwerk nach seiner Verwendung zur Stromerzeugung auf das umliegende Lavafeld geleitet und bildet dort einen Salzwassersee in der typisch blau-weißen Farbe. Das Wasser im Thermalbad hat eine Temperatur von etwa 37 bis 42 °C und enthält Mineralsalze, Kieselerde und Algen. Der See hat eine Fläche von etwa 5000 Quadratmetern.

Salzwassersee am Geothermalkraftwerk
Salzwassersee am Geothermalkraftwerk

Erdwärme und Wasserkraft – Islands ökologischer Reichtum

Als Versuchslabor für eine Zukunft mit sauberer Energie und abgasfreier Mobilität haben die Isländer trotz des scheußlichen Klimas und der noch scheußlicheren Finanzkrise ziemlich viel Durchblick, denn das Land verfügt über schier unerschöpfliche Quellen erneuerbarer Energien. Etwa zwei Drittel des Primärenergieverbrauchs speisen sich aus Erdwärme und Wasserkraft.

Aus dem Auspuff quillt nur Wasserdampf

Fossile Energieträger spielen in der Fischerei eine Rolle und im Verkehr. Noch. Denn wenn die Isländerin in der putzigen Hauptstadt Reykjavik in einen Bus steigt, kann es sein, dass aus dessen Auspuff nur Wasserdampf quillt: das harmlose Abfallprodukt, das beim Betrieb einer Brennstoffzelle anfällt. Technisch funktioniert dieser Antrieb seit Jahren einwandfrei, wie jeder Fahrgast bestätigen kann. Das Problem weltweit besteht im Aufbau eines flächendeckenden Wasserstoff-Tankstellennetzes und im hohen Energieeinsatz bei der Produktion der Brennstoffzelle. Schafft man es aber, regenerierbare Quellen zu nutzen, steht einem ökologisch effizienten Produktionskreislauf nichts mehr im Wege. Daran forschen die Autokonzerne und testen ihre Prototypen auf Island, teilweise im Dauerbetrieb wie Mercedes seine Busse.

Auspuff
Aus diesem Auspuff entweicht nur Wasserdampf

Der Serienstart eines Fahrzeugs mit Brennstoffzellenantrieb steht nun unmittelbar bevor. Toyota wird mit seinen Partnern Nissan und Hyundai das erste Fahrzeug ab 2015 in Skandinavien auf den Markt bringen. Der Aufbau einer Infrastruktur für Wasserstofftankstellen zwischen 2014 und 2017 ist bereits in Vorbereitung. Auch das erste Modell steht fest. Die Entscheidung fiel auf die Serienversion der Toyota-Studie “FCV-R”, eine viertürige Stufenhecklimousine der Mittelklasse.

Quelle: Carmour