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Müßiggang in Moritzburg

Es ist ein Geheimtipp in Sachsens See- und Waldlandschaften. In Moritzburg suchen gestresste Großstädter am Wochenende Erholung von der Work Front und üben sich in Entschleunigung.

Stadtneurotikerin meets sächsische Pampa

Zunächst aber geht es mit High Speed über die A13, die Berlin mit Dresden verbindet. Ich sitze in der XY-Sonderedition des Peugeot 208, ein kompakter, schicker Flitzer, mit dem es sich flott fahren lässt, ohne anzugeben. Es ist wenig los an diesem Samstagmorgen, nur ein paar Baustellen bremsen mich ein. Ist aber nicht wirklich schlimm, denn an diesem Wochenende will ich mich in Entschleunigung üben und mein Leben als hyperaktive Stadtneurotikerin wenigstens für zwei Tage hinter mir lassen. Ab der Autobahnausfahrt Radeburg wird’s zwangsweise

Fotos: carmour
Fotos: carmour

langsamer. Mit maximal 50 Sachen schleicht mein lilafarbenes Spielmobil gemütlich durch die liebliche sächsische Pampa. Dann plötzlich. Was für ein fabelhafter Anblick: Auf einer schnurgeraden Allee rolle ich direkt auf das imposante Moritzburger Schloss zu. Davor liegen wie hingemalt die beiden Schlossteiche in der warmen Vormittagssonne.

1550 von Herzog Moritz als Jagdhaus geplant, wurde das Gebäude mit den markanten vier Türmen unter dem legendären Sachsenkönig August dem Starken Anfang des 18. Jahrhunderts zum Jagd- und Lustschloss ausgebaut. Europaweite Bekanntheit erlangte das Schloss durch den tschechischen Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel.“ Schon vormittags um 11 Uhr ist der Parkplatz voll mit Film-Fans aus dem sächsischen Umland, Polen und Tschechien, die auf den Spuren der beliebten Märchenprinzessin wandeln wollen.

An der Hotelbar mit sächsischem Adelsspross

In dieser von Sachsens Glanz und Gloria durchtränkten Atmosphäre, will auch ich mich wie eine Prinzessin fühlen. Spontan stelle ich mein Smartphone aus und beschließe, einfach mal offline zu sein. Eine Prinzessin hat keine Chefs und Kollegen, die ihr am Wochenende auf die Nerven gehen. Also, adieu ihr Lieben, zumindest bis Montagmorgen.

Schon ziemlich entschleunigt lenke ich den Peugeot gemütlich in Richtung kurfürstliche Waldschänke. In diesem historischen, mitten im Wald gelegenen 4-Sterne-Hotel habe ich das so genannte Cosel-Zimmer gebucht. Gräfin Anna Constantia Cosel gehörte einst zu den Lieblingsmätressen von August dem Starken. Allerdings fiel sie durch ihr vorlautes Wesen beim Sachsenkönig in Ungnade und wurde fast 49 Jahre bis zu ihrem Tod auf eine Burg verbannt. August wurde König von Polen, nahm sich viele andere Mätressen und zeugte angeblich über 300 Kinder.

Schon während ich einchecke,  schalte ich endgültig auf Entspannungsmodus. Ein kleiner Spaziergang zum 300 Meter entfernten Fasanenschlösschen und dem Leuchtturm an einem der zahlreichen Moritzburger Seen, lassen mich kurz darauf den hektischen Berliner Großstadtrummel endgültig vergessen.

Eigentlich hatte ich mich für abends unverbindlich mit der Bekannten einer Freundin zu einem Kneipenbummel im nahen Dresden verabredet. Aber ich disponiere um und stromere stattdessen tiefenentspannt durch die einmalige Moritzburger Waldlandschaft, vorbei an malerisch gelegenen Teichen. Abends genieße ich im Prinzenzimmer meines Hotels Sächsische Küche at it’s best und einen edlen Tropfen aus der Region.  Den Selfie für Facebook, der mich  beim genüsslichen Verspeisen eines Hirschbratens  zeigt, verkneife ich mir lieber. Schließlich will ich keinen Shitstorm von diversen Veganern unter meinen Freunden provozieren. Dass ich beim Absacker an der Hotelbar mit einem echten sächsischen Adelsspross ins Gespräch komme – es wäre auch mehr drin gewesen -, macht mein Prinzessinnenglück nahezu perfekt.

 Ultra-Entschleunigung – Kutschenfahrt mit der Sächsischen Weinprinzessin

Sonntagmorgen. Mit einem gewissen Unbehagen denke ich an meine Rückkehr nach Berlin. Doch bevor ich in Trübsal verfallen kann, höre ich ein Posthorn blasen. Juhu, das gilt mir! Als krönenden Abschluss meines Moritzburgaufenthaltes habe ich eine Ausfahrt mit einer originalgetreu nachgebauten königlich-sächsischen Postkutsche gebucht. Begleitet werde ich von der Sächsischen Weinprinzessin Luise Finsterbusch, die in ihrem himmelblauen Kleid wunderhübsch anzuschauen ist. Schade, dass für mich so kurzfristig kein Fürstinnengewand zur Verfügung steht. So setze ich mich, ausgestattet mit einem liebevoll vom Waldschänken-Personal zusammengestellten Picknick-Körbchen in Jeans und Sneakers zur Prinzessin. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von fünf Kilometer pro Stunde zuckeln wir durch die Landschaft. Mehr als einmal ertappe ich mich dabei, huldvoll aus der Kutsche winken zu wollen.  Die Prinzessin an meiner Seite nickt verständnisvoll, als ich ihr davon erzähle. Dann meint sie breit grinsend: „Ich bin Prinzessin, ich darf das“. Sie hält ihr Händchen grüßend aus der Kutsche und lächelt Wanderern und Ausflüglern am Wegesrand zu. Ich lasse meine Bedenken fahren und winke heftig mit.

Als ich am späten Nachmittag wieder Richtung Berlin unterwegs bin, stelle ich fest, dass fast jedes 45 PS-Auto an meinem Flitzer vorbeizieht. Es ist mir egal. Montagmorgen im Büro, Redaktionssitzung. Mein Kollege Bert haut mir auf die Schulter und fragt, ob mir mein iPhone geklaut wurde. Er hätte mehrfach probiert, mich am Wochenende zu erreichen. Dezent schaue ich in meine Handtasche. Da liegt es. Ausgeschaltet. Widerwillig mache ich es wieder an.

Info: www.kulturlandschaft-moritzburg.de

Quelle: carmour

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