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Wirrwar um neue Kindersitz-Vorschrift

Foto: Getty Images

17. August 2013 Die Prüfnorm „I-Size“ ist zwar seit Juli in Kraft, Kindersitze, die der neuen Regelung entsprechen, gibt es aber noch nicht. Nun gilt die alte ECE-Norm parallel weiter.

Kindersitze im Auto müssen amtlich genehmigt werden, sie müssen für das Fahrzeug, das Kind und seine Größe geeignet sein und mit einem orangefarbenen ECE-Prüfsiegel gekennzeichnet werden. Und das schon seit 1993, seit 2008 in verschärfter Form gemäß ECE4403. Ohne diese Norm darf Baby oder Junior dem Ernst des Straßenverkehrs nicht ausgesetzt werden.

Zu viele verletzte Kinder

Nach § 21 Abs. 1a Straßenverkehrsordnung (StVO) dürfen Kinder,  die kleiner als 150 cm sind, bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr nur mit Rückhalteeinrichtungen – vulgo Kindersitze – im Auto mitgenommen werden. Die Kindersicherheit hat sich tatsächlich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt, aber nach wie vor sterben noch Kinder im Auto oder werden schwer verletzt. Denn zu viele der kleinen Passagiere sind nicht korrekt gesichert – nach Beobachtungen der Versicherungswirtschaft zwei Drittel. Dabei belegen Unfallstudien, dass bei einem Autounfall das Risiko eines ungesicherten Kindes gegenüber dem optimal gesicherten siebenmal höher ist, schwer oder tödlich verletzt zu werden. Das gilt ähnlich für nicht geeignete oder falsch befestigte Kindersitze.

UN erarbeitet „I-Size“-Norm

Nun wird die langjährige Forderung von Unfallforschern erfüllt und die Bedienbarkeit aller Kindersitze vereinfacht. Dem zugrunde liegt eine neue UN-Verordnung, die die Wirtschaftkommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) erarbeitet hat. Favorisiert wird darin die generelle Einführung von Isofix, der genormten Universalbefestigung für Kindersitze durch eine einfach zu handhabende Steckverbindung. Damit die Verbraucher auf einen Blick Isofix-Kindersitze erkennen, gibt es einen neuen speziellen Aufkleber mit dem Aufdruck „iSize“, der die Kompatibilität von Fahrzeug und Kindersitz anzeigt.

Isofix: Kleines Angebot, hohe Preise

Schon lange sind bei praktisch allen neuen Fahrzeugmodellen die Rücksitze mit Isofix vorgerüstet – doch das Angebot an Isofix-Kindersitzen ist klein und die Sitze teuer. Mit der neuen Vorschrift I-Size und der wohl stark steigenden Nachfrage nach Isofix-Sitzen könnte sich das ändern. Das Angebot dürfte größer und die Preise niedriger werden.

Alte und neue Vorschrift gelten parallel

Zunächst jedoch sorgt die seit Juli 2013 geltende I-Size Prüfnorm für viel Verwirrung bei den Verbrauchern. Die Norm gilt eben nur für Isofix Systeme und erst jetzt besteht für die Kindersitzhersteller die Möglichkeit, ihre Sitze nach dieser neuen Regelung zuzulassen. Die ersten nach I-Size getesteten Systeme dürften frühestens im ersten Quartal 2014 auf den Markt kommen. Wenn die I-Size-Kindersitze dann erhältlich sind, haben Eltern beim Kauf die Wahl zwischen einem Kindersitz nach i-Size oder nach der gegenwärtigen Regelung R44, die noch bis 2018 Gültigkeit haben soll. Niemand ist also zu einem schnellen Wechsel gezwungen, obwohl die neuen Sitze deutlich sicherer und daher dringend empfehlenswert sind.

Mehr Schutz beim Seitenaufprall

Mit den seit Juli geltenden Vorschriften soll auch die Nutzung rückwärtsgerichteter Kindersitze, sogenannter Reboards, verbessert werden. In Zukunft sollen Kinder bis 15 Kilogramm entgegen der Fahrtrichtung befördert werden. Heute ist es noch so, dass nur Babys (Kindersitzklasse 0, bis 10 Kilogramm) in der Babyschale entgegen der Fahrtrichtung transportiert werden. Die Kindersitzkennzeichnungen und -einteilungen, richten sich nun nach Alter und Gewicht des Nachwuchses, nicht mehr nur nach Gewicht. Zudem wird eine weitere alte Forderung der Sicherheitsexperten verwirklicht: Die Einführung eines Testverfahrens für den Seitenaufprall, das die Kindersitze beim Euro-NCAP-Crashtest einbezieht. Den Seitenaufpralltest für Kindersitze allerdings gibt es bei deutschen Test-Institutionen wie dem ADAC schon seit vielen Jahren.

 

 

Quelle: carmour

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