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Wie sinnvoll sind Reboard-Kindersitze?

Foto: www.fraumama.de

19. Dezember 2014 In sogenannten Reboardern - rückwärtsgewandten Kindersitzen - sind Kleinkinder beser gegen Frontalunfälle geschützt. Dennoch haben sie ihre Tücken.

Als sich Kerstin Wirsing auf die Mission machte, „Wir kaufen ein Familienauto“, war für sie selbstverständlich, dass es ein Wagen sein musste, in dem Reboard-Kindersitze ohne Sichtbehinderung nach hinten und komfortabel für die Kleinen und die Eltern angebracht werden können. Rückwärtsgewandte Sitze sind für sie eine Frage der Sicherheit.

Experten sehen die Sache ein wenig differenzierter. In der Tat ist es richtig: Bei einem frontalen Aufprall bieten Reboarder prinzipielle Vorteile, sagt Andreas Ratzek, Koordinator für Kindersitz-Tests beim ADAC. “Bei einem Unfall wird das Kind in den Sitz gedrückt, und die Kräfte verteilen sich besser.” Der Nachteil liegt im Seitenaufprall. Diese Unfallart ist zwar statistisch seltener, hat aber oft schwerere Folgen. Hier bieten die Reboarder kein Mehr an Sicherheit.

Zugleich gibt es bei der Montage der Sitze ein erhebliches Risiko, Fehler zu machen. Das fachmännische Anbringen eines Reboarders ist nämlich nicht ganz unkompliziert. “Ein schlecht befestigter Sitz ist immer die schlechtere Wahl”, so Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Auch bei der Frage, wie lange ein Kind am besten rückwärts unterwegs ist, gibt es keine eindeutige Expertise. Das hänge etwa von der Körpergröße ab, außerdem solle abgeklärt werden, ob dem Kind übel wird, so Brockmann. Da sich aber bei Kindern der Gleichgewichtssinn üblicherweise erst ab dem vierten Lebensjahr ausbildet und sich beim Rückwärtzsitzen nach Erfahrung vo Kinderärzten die Nackenmuskulatur besser ausbildet, spricht eher wenig gegen diese Art des Kindertransports.

Fazit: Ein klares Expertenurteil für oder gegen Reboarder fehlt, bei fachgerechter Anbringung überwiegen aber doch die Vorteile. Und natürlich spielt die Psychologie eine wichtige Rolle: das subjektive Sicherheitsgefühl von Fahrer oder Fahrerin. Und das, weiß Kerstin Wirsing, trägt wiederum zu ihrer eigenen Fahrsicherheit am Steuer jede Menge bei.

Quelle: carmour