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Unfall-Falle Zebrastreifen – ACE-Studie mit alarmierenden Ergebnissen

Foto: Getty Images

Von wegen halten, sehen, sicher gehen. Der als Zebrastreifen bekannte Fußgänger-Überweg ist in Deutschland mehr Tatort als Schutzzone. Nirgendwo sonst leisten sich Verkehrsteilnehmer mehr Regelverstöße als hier.

„Wir müssen den Sinn und Zweck extra markierter Fußgängerüberwege wohl ganz neu kommunizieren. Die Bereitschaft, an Zebrastreifen gewisse Regeln zu befolgen, schwindet; gleichgültig, ob es sich um Fußgänger, Autofahrer oder Radler handelt“, so lautet das Fazit des Auto Club Europa (ACE) nach Auswertung einer bundesweiten Verkehrssicherheitsaktion.

Wissen in kümmerlichem Zustand

Der Club zeigt sich angesichts der ermittelten Ergebnisse alarmiert und hat jetzt Politik, Polizei und Verkehrsbehörden zu einer Offensive für mehr Sicherheit an Zebrastreifen aufgerufen. „Das Wissen über Vorschriften des Verkehrsrechts befindet sich offenbar in einem kümmerlichen Zustand; das muss sich ändern“, fordert der ACE.

Verhalten akribisch analysiert

Ehrenamtliche Inspektoren hatten im vergangenen Sommer akribisch das Verhalten von insgesamt 30.055 Kraftfahrern, 36.073 Fußgängern und 13.324 Radfahrern beobachtet und analysiert. Am wenigsten regelkonform verhalten sich demnach Radler an Zebrastreifen.

68 Prozent Rüpel-Radler

Im Schnitt mehr als jeder zweite von ihnen (56,77 Prozent) missachtet das Haltegebot am Zebrastreifen, wenn dort Fußgänger unterwegs sind. Durchschnittlich 67,56 Prozent der Radfahrer steigen beim Queren der Straße nicht wie vorgeschrieben ab und schieben ihr Gefährt über den Zebrastreifen, sondern wechseln verbotenerweise fahrend die Straßenseite und rangeln oft mit Fußgängern um die schnellste Passage. Das kostet, wenn man erwischt wird, 20 Euro Bußgeld. Der ACE nennt solche Fahrkünstler “Rüpel-Radler”.

Kinder gefährden sich

Besorgt zeigt sich der Club auch darüber, dass auffällig viele Kinder am Zebrastreifen selbst einfache und allgemein bekannte Regeln ignorieren.

So queren im Schnitt mehr als 18 Prozent der Kinder die Straße, ohne auf den fließenden Verkehr zu achten. Kein Wunder: Erwachsene Fußgänger gehen laut der Studie mit eher schlechtem Beispiel voran.

Das Smartphone im Blick

Im Mittel mehr als 13 Prozent der Erwachsenen schalten am Zebrastreifen offenkundig gedanklich völlig ab und schlendern oder hasten über die Straße, ohne vorher nach links und rechts geschaut zu haben. Dabei sind sie häufig mit ihrem Smartphone beschäftigt.

Bautechnische Mängel

Der ACE hatte seine Inspektoren aber nicht nur aus Gründen der Verhaltensforschung an insgesamt 461 Zebrastreifen in rund 170 deutsche Städten und Gemeinden geschickt. Begutachtet wurde mitunter auch die bauliche Beschaffenheit von Fußgängerüberwegen. Ergebnis:Vielerorts befinden sich die Zebrastreifen in keinem guten Zustand. Häufig bemängelt wurden etwa stark abgefahrene, verblasste oder gänzlich unsichtbar gewordene Zebra-Markierungen sowie fehlende Hinweisschilder und mangelhafte Beleuchtung. Häufig fehlen auch Mittelinseln, wie sie in Bauvorschriften für markierte Straßenquerungen vorgesehen sind.

Behörden bessern nach

Immerhin haben etliche kommunale Behörden auf die Mängelberichte der Verkehrssicherheitsfachleute reagiert und Fußgängerüberwege bautechnisch optimiert, stellt der ACE zufrieden fest.

Rücksichtslose Busfahrer

Aber: Selbst Behörden-Fahrzeuge fuhren mit schlechtem Beispiel voran. So beobachteten die Inspektoren in Fulda, wie Busse der städtischen Verkehrsbetriebe über Zebrastreifen fuhren, obwohl sich dort schon Fußgänger befanden. Ein ähnlicher Fall hat sich in Hanau zugetragen, wo sich ein Fußgänger nur ganz knapp und dank eines beherzten Sprungs auf den Gehweg retten konnte. Dort hatte sich ein Bus des Rhein-Main-Verkehrsverbundes RMV einfach die Vorfahrt genommen. Solche rücksichtslosen Fahrer bittet die Polizei mit 80 Euro zur Kasse, hinzu kommen vier Punkte in Flensburg…

Streifenwagen gegen Rollator

Doch die Gesetzeshüter selbst haben sich laut ACE vielerorts nicht viel besser verhalten. So ignorierte beispielsweise die Besatzung eines Streifenwagens im hessischen Langen eine Frau, die sich mit einem Rollator auf dem Zebrastreifen befand. Der Beamte am Steuer fuhr ungerührt und ungebremst weiter.

Polizei sieht kein Problem

Wenig einsichtig zeigte sich auch die Polizei in Hattingen in NRW. Nachdem dort in einer Bürgerbefragung zwei Zebrastreifen ausdrücklich als unsicher klassifiziert wurden und wie zur Bestätigung tatsächlich an diesen Überwegen Unfälle passiert sind, kommentierten das Polizeibeamte lapidar mit dem Satz: „Wir sehen hier kein Problem.“

 

 

Quelle: ACE/carmour