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Sie oder Er – wer fährt besser?

Foto: Getty Images

Forsa hat zusammen mit dem Versicherer Axa das Fahrverhalten von Frauen und Männern erfragt. Die Ergebnisse sind ernüchternd - für die Männer.

Von wegen “Frauen hinterm Steuer, das wird teuer”

Junge Frauen kosten die Assekuranzen nach Angaben des Versicherers Axa 25 Prozent weniger als Männer, wenn es um Kosten für Schäden nach Verkehrsunfällen geht. Mittlerweile haben die weiblichen Pkw-Fahrer auch einen besseren Ruf.

Zusammen mit dem Forsa-Institut hat die Versicherung Anfang Juni eine Umfrage unter Autofahrern gemacht. Dabei ging es um Einstellungen und um das eigene Fahrverhalten. Konkret gefragt wurde nach gefährlichen Situationen im Straßenverkehr und danach, wer sie besser oder schlechter bewältigt. 38 Prozent der Befragten sind demnach der Meinung, dass Frauen souveräner am Steuer agieren als Männer. Die kamen nur auf 24 Prozent.

Ältere beurteilen Frauen toleranter als die Jüngeren

Vor allem die 55- bis 64-Jährigen meinen zu 46 Prozent, dass Frauen sicherer Auto fahren. Den Männern schreiben dies in der Altersgruppe nur 19 Prozent zu. Anders sieht dies jedoch bei den Jüngeren aus: Die 18- bis 24-Jährigen halten zu 43 Prozent Männer für die besseren Autofahrer, nur gut jeder Vierte sagt dies über Frauen.

Wetter macht Stress

Obwohl Frauen in der Umfrage gut abschneiden, sind sie sich selbst gegenüber oft kritisch: Von drei möglichen Fahrproblemen räumen sie im Durchschnitt 2,2 problematische Situationen ein. Männer kommen in der Umfrage nur auf den Wert 1,7. Das größte Problem ist für beide Geschlechter das Fahren bei extremem Wetter: 83 Prozent der Frauen nennen dies als schwierige Fahrsituation, 67 Prozent der Männer haben Schwierigkeiten mit Regen oder Schnee.

Ebenso unbeliebt ist das Fahren bei Dunkelheit: Knapp die Hälfte der Frauen ist ungern im Dunkeln unterwegs, bei den Männern sind dies nur 27 Prozent. Baustellen wiederum sehen beide Geschlechtern gleichermaßen kritisch: Frauen zu 33 Prozent und Männer zu 32 Prozent.

Männer sind dominant – im Kraftfahrtbundesamt

Wie reimt sich das zusammen mit dem Selbstverständnis vieler Männer als die besseren Autofahrer: Rund 80 Prozent der beim Kraftfahrtbundesamt registrierten Verkehrssünder sind Männer. Nach der gefürchteten Verkehrssünderkartei geht gerade einmal ein Fünftel der Verkehrsverstöße auf das Konto von Frauen. Betrachtet man die schweren Verkehrsdelikte, sieht das ganze noch eindeutiger aus: Bei den Verkehrssündern mit besonders üppig gefülltem Punktekonto liegt der Männeranteil bei knapp 90 Prozent. Unwahrscheinlich, dass die automobile Alltagswelt ein Stück besser wäre, wenn nur noch Frauen hinter dem Steuer sitzen würden. Statistiken spiegeln schließlich selten die komplette, vielschichtige Wirklichkeit wider. So gilt es z. B. zu berücksichtigen, dass Männer viel höhere Kilometerleistungen haben als Frauen.

Frauen gehen besser mit Stress um

Doch nicht nur die Statistiker vom Flensburger Kraftfahrtbundesamt haben den kleinen Unterschied im Visier. Verkehrsmediziner beschäftigt das Thema ebenfalls. In einer Studie, die das verkehrsmedizinische Institut der Universität Heidelberg im Auftrag des ADAC durchgeführt hat, wurde das Fahrverhalten von Männer und Frauen in stressigen Verkehrssituationen getestet: Die 60 Probanden mussten sich durch dichten Berufsverkehr schlängeln, hatten es mit Staus, roten Ampeln und notorischen Dränglern zu tun. Die Untersuchungen ergaben, dass die Autofahrerinnen mit den Stresssituationen besser zurechtkamen. In ihren Versuchen entsprachen mehr Frauen als Männer dem Idealbild des “rücksichtsvollen Autofahrers”, der besonders besonnen, sicher und defensiv sein Gefährt steuert.

Mehr soziale Kompetenz bei Frauen

Durch das Verhalten eines anderen Autofahrertyps dagegen verstärkt sich der Stress auf der Straße noch. Der “konfrontative” Fahrer drängelt, macht von Hupe und Lichthupe intensiven Gebrauch, lässt sich schnell zu verbalen Beschimpfungen und beleidigenden Gesten hinreißen. In dieser Gruppe – so das Ergebnis der Heidelberger Verkehrsmediziner – liegt der Männeranteil bei 70 Prozent. Aus Sicht des Berliner Verkehrspsychologen Edmond Wirzba überrascht so ein Ergebnis nicht. Auch wenn sich die Unterschiede immer mehr verwischen, stecken noch immer uralte Verhaltensmuster in jedem von uns, meint der Mediziner: “Frauen haben sich um die Gemeinschaft, um Kinder, Alte und Schwache gekümmert. Männer haben den Bären gejagt.” Das Fazit des Psychologen fällt ganz einfach aus: “Frauen können nicht besser Auto fahren als die Männer, aber ihre höhere soziale Kompetenz macht sie zu besseren Autofahrern.”

 

 

Quelle: carmour

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