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Sprengstoff an Bord

Foto: Getty Images

Wissen Sie als Fahrer/in eines modernen, hochwertigen Autos, dass Sie quasi auf einem Pulverfass sitzen? Dass Sie genug Sprengstoff an Bord haben, um im Action-Film ein Fluchtfahrzeug in die Luft zu jagen, ein Flugzeug vom Himmel zu holen oder auch einen Tresor zu knacken?

Ein modernes Auto vermittelt den Insassen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Elektronik, Airbags, Gurtstraffer, proaktive Kopfstützen überall. Ein gutes Gefühl. Nur  – bei bis zu 200 Gramm Sprengstoff im Auto kann einem auch mulmig werden. Doch dieser Sprengstoff kann Ihr Leben retten. Er kommt wissenschaftlich dosiert und streng kontrolliert zum Einsatz. Aufgeteilt in kleine Kapseln, kaum von einer Süßstoff-Tablette zu unterscheiden, lässt sich der Sprengstoff den verschiedenen Sicherheits-Aufträgen gemäß perfekt dosieren.

Airbags
Foto: Mercedes Benz

Drei Gramm explosiver Auslöser reichen aus, um einen Sitzgurt blitzschnell stramm zu ziehen. Für einen voluminösen Beifahrerairbag darf es dann auch die zehnfache Menge sein. Wie das funktioniert, lässt sich auf der hochmodernen und Millionen Euro teuren Crashtest-Anlage des Autozulieferers Johnson Controls beobachten, wo die lebensrettende Wirkung der Explosiv-Stoffe unter extremen Bedingungen getestet wird.

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Foto: Johnson Controls

Die Dummys, die hier zum Einsatz kommen, erleiden auf der Schlittentestanlage Aufprallgeschwindigkeiten von bis zu 85 km/h und Verzögerungen bis zu 65 G. Ein 75-Kilo-Mann würde unter solchen Bedingungen mit fast fünf Tonnen in den Sitz gedrückt. Die hochentwickelten Kunst-Menschen und ihre Interaktion mit Sitzsystemen, Armaturentafeln und Seitenverkleidungen werden beim Crash von Hochgeschwindigkeitskameras gefilmt und von zahlreichen Sensoren überwacht. Hier wird mit immensem Aufwand Nachhaltigkeit produziert. Das bedeutet hier nicht nur Umweltschutz (Druckluftbetrieb) oder Ressourcenschonung (Sitzmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen), sondern auch Vermeidung von gesellschaftlichen Unfall-Folgen. Fehlende oder falsch eingestellte Kopfstützen führen zu Verletzungen der Halswirbelsäule. Und die sind langwierig, schmerzhaft, aufwändig zu behandeln und vor allem teuer. Die neueste Entwicklung ist die sogenannte aktive Kopfstütze. Eines der effizientesten Systeme trägt die Bezeichnung riACT, das die Kopfstütze im Falle eines Heck-Unfalls mit mehr als zehn km/h um bis zu 6,4 Zentimeter vorschnellen lässt. Zuverlässig, in nur 25 Millisekunden, mit Hilfe eines Teleskop-Mechanismus. Und den löst aus – eine kleine Sprengladung.

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